Donnerstag, 18. Mai 2017

[Rezension] Charlotte Roche - Mädchen für alles



Meine Nummer zwei eines Roche-Romans. Vor ein paar Jahren las ich "Schoßgebete", welches ich gar nicht mal schlecht fand. In der Bibliothek entdeckte ich "Mädchen für alles", von dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Aus Neugierde nahm ich es mit und wurde leider ein wenig enttäuscht.

Inhalt

"Christines Leben ist perfekt. Perfekt langweilig, perfekt einsam. Es muss sich was ändern, Hilfe muss her. Die Hilfe heißt Marie und ist Christines »Mädchen für alles«: Wäsche, Kochen, Baby. Ein Traum! Marie kann nicht nur alles, sie sieht sogar noch toll aus. Findet auch Christines Mann. Aber bevor der sie kriegt, nimmt Christine sie lieber selber und ist begeistert, wozu Marie offenbar alles bereit ist. Gemeinsam begeben sie sich auf eine unmoralische Reise mit einem gefährlichen Ziel." (Piper)

Meine Meinung
Charlotte Roche hat mit "Mädchen für alles" einen ganz schön nervigen Roman geschrieben und Schuld daran ist die nervige und unsympathische Ich-Erzählerin, Christine. Christine ist faul, kontrollsüchtig, etwas sadistisch, egoistisch und trägt, wie wahrscheinlich jede Protagonistin von Roche, neurotische Züge. Es war furchtbar anstrengend, all ihren Gedanken folgen zu müssen. Ein Bewusstseinsstrom der Hölle quasi. 

Marie, das "Mädchen für alles", ist ein sehr flacher Charakter. Sie sagt zu allem ja, sieht gut aus und Christine stoß bei ihr nie auf Hindernisse. Das wirkte im Großen und Ganzen sehr unauthentisch und konstruiert. Marie wurde so erschaffen, dass Charlotte Roche all ihre Ideen an ihr ausleben konnte, sodass sie letztendlich nur eine Marionette der Handlung war.

Die Themen, die aufgeworfen werden, wirken sehr zusammen gewürfelt. Es geht einerseits um Langeweile in der Ehe, um eine anscheinende postnatale Depression, um Sex unter Frauen, um Kontrolle, um Drogen und um ein ewiges, pubertäres alles-den-Eltern-in-die-Schuhe-schieben. 

Christine macht im Roman keine Entwicklung durch und die Handlung steuert nicht auf einen Höhepunkt zu. Da braucht man schon etwas Geduld beim Lesen.

Der Schreibstil ist authentisch und passt zu Christines dümmlich-schnoddrigen Charakter. Verwendung des Genitiv? Fehlanzeige.

2 von 5 Sternen


Montag, 15. Mai 2017

[Fragebogen] Wie läuft das mit dem Bücherbloggen von Lesestunden

Im Februar 2016 hat Tobi von Lesestunden bereits diesen Fragebogen veröffentlicht. Ich dachte, dass er ganz interessant ist. Man wird sich über einiges noch mal klarer, wenn man Fragebögen beantwortet. 

Wie entscheidest du, ob du über ein Buch bloggst oder nicht?
Ich blogge eigentlich über jedes Buch, welches ich gelesen oder angelesen habe, außer Sachbücher und Philosophie. Bücher, die ich komplett gelesen habe, werden rezensiert. Bücher, die ich abgebrochen habe (das tue ich meist wegen nichtgefallen), kommen in die Kategorie „Der Friedhof der abgebrochenen Bücher“.

Woher nimmst du deine Inspiration für neue Beiträge?
Oftmals inspirieren mich andere Blogs oder Zeitungsartikel, über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Manchmal kommen mir aber auch Gedanken, die ich einfach loswerden muss. Oder ich schreibe einen Post mehr für mich, denn für andere und veröffentliche ihn dann. So zum Beispiel den Beitrag über Bücher, die ich als Kind gelesen habe. Solche Beiträge schreibe ich zunächst gerne für mich, um eine Übersicht zu haben und meine Erinnerungen und Gedanken zu sortieren.

Was willst du mit deinem Blog erreichen?
Mich interessiert vor allem der Austausch, da man als LeserIn doch ziemlich alleine ist. Während des Lesens und auch danach. Den Austausch zu finden, ist nicht leicht, da es eine riesige Bandbreite von Romanen, ja sogar Genres gibt, sodass all die BuchbloggerInnen nicht immer das Gleiche lesen. Außerdem möchte ich mich mehr mit Literatur und dem Medium Buch befassen, was durch die Bloggerwelt automatisch geschieht. Ich interessiere mich sehr für Literatur- und Lesepädagogik aber auch für journalistische Berufe rund ums Buch. So ist es vielleicht gar nicht schlecht, über Literatur zu bloggen.

Wie viel Zeit nimmst du dir für das Verfassen eines neuen Beitrags?
Rezensionen habe ich meist schnell geschrieben, weil ich mir während des Lesens des Buches schon im Kopf zurechtlege, was ich in die jeweilige Rezension schreiben werde. Beiträge, für die ich recherchiere, oder solche, die ein umfassenderes Thema behandeln, dauern länger.

Wie oft erscheint in deinem Blog ein Beitrag?
Ich lege mich da auf keine Zahl fest und blogge daher auch keine „Füller“. Ich blogge dann, wenn ich es für sinnvoll erachte, das heißt, wenn ich eine Rezension in petto habe, wenn mir etwas zu einem Thema einfällt, ich Neuzugänge oder neu entliehene Bücher zu Hause habe. Ich versuche aber darauf zu achten, Beiträge auf die Woche zu verteilen, sodass meine LeserInnen nicht überschwemmt werden. Meistens entstehen 1-3 Beiträge pro Woche.

Bloggst du regelmäßig und hast feste Tage bzw. Abstände in denen Beiträge erscheinen?
Siehe oben

Hast du einen festen Tag, an dem du Blogbeiträge schreibst und dich um deinen Blog kümmerst?

Eigentlich schreibe ich dann, wenn ich Zeit habe. Das ist oft an Sonntagen, aber auch abends unter der Woche. Ansonsten siehe oben.


Hast du mehrere Beiträge fertig verfasst als Entwurf, oder veröffentlichst du jeden Beitrag sofort?

Entwürfe speichere ich nur, wenn ich gerade schon (z.B. am vorigen Tag) einen Post veröffentlicht habe. Dann warte ich 1-2 Tage, bevor ich den nächsten veröffentliche. Ich möchte meine LeserInnen einfach nicht mit Posts überschwemmen. Ist der letzte Beitrag schon einige Tage her, dann veröffentliche ich sofort.


Hast du Hilfsmittel, wie einen Planer, eine App oder irgendein Gadget?

Nein, die Blogspot-App gefällt mir nicht. Mir reicht der Zugang über den Laptop.


Schreibst du deine Beiträge direkt in WordPress bzw. der Blogsoftware, oder zuerst auf Papier oder in anderer Software?
Meistens direkt in Blogspot, manchmal aber auch in Word.

Schreibt du die Beiträge auf einmal, oder in mehreren Schritten?
Im Großen und Ganzen schreibe ich meine Beiträge auf einmal.

Hast du schon einmal einen Beitrag komplett verworfen, weil du mit der Qualität nicht zufrieden warst?
Das weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich kürzlich einige Beiträge meiner Anfangsphase gelöscht habe, da ich mit dessen Qualität nicht mehr zufrieden war. ;)

Wo schreibst du deine Beiträge (z.B. immer auf dem iPad Pro in der Badewanne)? Gibt es ein Bild von deinem „Blogarbeitsplatz“?
Am Schreibtisch oder auf dem Bett per Laptop.

Bloggst du alleine oder mit anderen zusammen?
Alleine. Und alles andere würde mich, denke ich, auch nerven. Da finde ich gut vernetzte Blogs, die sich gegenseitig unterstützen, besser.

Machst du für deine Beiträge eigene Fotos? Wenn ja, welche Rolle spielen sie für dich und wie bereitest du sie auf?

Ab und zu binde ich eigene Fotos in den Beitrag mit ein. In Rezensionen habe ich aber damit aufgehört und benutze die Cover-Bilder der Verlagsseiten, damit alles möglichst schön clean aussieht. Ich habe leider nicht so die Unter- und Hintergründe um alles IKEA-Katalog-mäßig aussehen zu lassen, wie andere Blogger.


Wie viel Zeit investierst du für deine Fotos?
Ein paar Minütchen.

Besprichst du auch Rezensionsexemplare und wie gehst du damit um?

Ich habe selber schon Rezensionsexemplare angefordert und besprochen. Wenn ich ein Buch wirklich haben und lesen möchte, schaffe ich es ohne Probleme. Ich habe aber auch schon eines ungefragt zugesendet bekommen, mit dem ich leider nichts anfangen konnte.


Wie wichtig sind für dich Social Media Kanäle und wie viel Zeit und Aufwand verbringst du, sie zu pflegen?

Ich nutze ein wenig Instagram. Ansonsten ist es mir zu aufwändig, auf allen Plattformen als Bloggerin präsent zu sein und Werbung zu machen.


Wie viel Zeit investierst du in technische Anpassungen und Pflege deines Blogs?

Nicht so viel. Ab und zu, erneure ich hier und da was und auch meinen Rezensionsreiter aktualisiere ich regelmäßig. Das Design oder Layout zu ändern, würde mich aber durcheinander bringen und ich bin momentan ganz zufrieden.


Was recherchierst du, bevor du ein Buch rezensierst?

Manchmal recherchiere ich den Autor/die Autorin und eine knappe Zusammenfassung des Inhalts, da mir knappe Inhaltsangaben ohne Spoiler nicht so leicht fallen.


Machst du auch einmal eine längere Pause vom Bloggen?

Ja, die hatte ich schon, inklusive längerer Lesepausen.


Beeinflussen dich andere Blogger oder Verlage über Themen oder Bücher zu schreiben? Wie groß ist dieser Einfluss?

Blogger und Zeitungsartikel beeinflussen mich ab und zu.


Wie entscheidend ist für die die Aktualität eines Buches? Schreibst du lieber über aktuelle Bücher oder ist der Erscheinungszeitpunkt egal?
Mit Neuerscheinungen habe ich kaum was am Hut. Das hat zum Einen etwas damit zu tun, dass ich Hardcover-Ausgaben nicht gerne lesen. Sie sind schwer und unhandlich im Bett, aber auch unterwegs in der Tasche. Am liebsten lese ich Taschenbücher und bis ein Buch ein Taschenbuch wird, dauert es meistens ein Weilchen (Bei den meisten Büchern zumindest, es gibt natürlich auch Bücher, die sofort als TB erscheinen). Da ich gerne Klassiker und andere, ältere, Bücher auf meiner Wunschliste habe, komme ich ohnehin kaum dazu, Neuerscheinungen hinterher zu jagen. Mich stört auch der Hype um Neuerscheinungen und dass viele sich da so mitziehen lassen. Das beste Beispiel ist „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Ich halte mich da gerne raus.

Samstag, 13. Mai 2017

Der Friedhof der abgebrochenen Bücher. Teil 4: Bettina Vibhuti Uzler - Party am Abgrund


Vor einigen Jahren habe ich bereits autobiographische Bücher von Christiane F. oder Jörg Böckem zum Thema Drogen und Sucht gelesen und fühlte mich sehr gut unterhalten. Das Eintauchen in eine solche Welt hat mir damals sehr gut gefallen, ich wollte die Beweggründe verstehen, warum Menschen sich so kaputt machen. Hier jedoch war ich einfach nur genervt und hatte keinerlei Verständnis.

Bettina Vibhuti Uzler wandert gleich zu Beginn des Buches ins Pariser Gefängnis, weil sie in Kolumbien dazu überredet wurde, Kokain nach Europa zu schmuggeln. Überredet wurde sie von Mafia-Typen, die mit ihrem Lover zu tun hatten. Für diesen hätte sie alles getan, obwohl er sich kaum für sie interessierte.
Einige Jahre später, so erzählt sie, schließt sie sich der Freetekno-Bewegung an und investiert Herzblut, Zeit und Geld darin, wobei immer irgendwelche Männer eine große Rolle spielen. Sie scheint völlig manipulierbar, fügt sich dem Willen ihrer anstrengenden Liebschaften und gerät dabei in komplizierte Situationen.
Und das war der Grund, weshalb ich das Buch nach etwa der Hälfte abbrechen musste. 
Ich denke, dass die Autorin heutzutage ihr Handeln und sich Manipulierenlassen kritisch hinterfragt, wegen dieses Verhaltens jedoch konnte ich mich so wenig mit ihr identifizieren, dass das Lesen keinen Spaß machte. Ich musste mich zu sehr ärgern. Mitunter wohl aus emanzipatorischer Sicht. 
Auch, dass sie zu jenem Zeitpunkt ihren Konsum nicht hinterfragte, keine Zweifel zeigte und sich alles reinhaute, was ihr in die Quere kam, stoß mich etwas ab. Ist es nicht normal, dass man, bevor man sich Pferdebetäubungsmittel (Ketamin) reinzieht, Angst hat? Aufgeregt ist? Zweifel hat? Das hatte die "Protagonistin" gar nicht und ein so unvernünftiges und unreflektiertes Verhalten fand ich schwierig zu lesen und als Leserin zu begleiten. 

Pluspunkte bekommt Vibhuti Uzler jedoch für Ihren Stil. Sie hat einen wirklich schönen Stil und ihre Trips hat sie stets malerisch beschrieben, ohne auszuufern. Ich würde durchaus Romane von ihr lesen, die sich nicht um ihre eigenen Drogenerfahrungen drehen.