Montag, 24. Februar 2014

Tsundoku. Über eine Krankheit.

Mein Körper schüttet Glückshormone aus, wenn ich mir Bücher kaufe und mit nach Hause bringe, oder wenn ich bestellte Bücher auspacke. Jeden Monat kommt mindestens eines dazu. Entweder gebraucht von Amazon und co., gebraucht und aussortiert aus der Bibliothek oder auch mal neu aus der Buchhandlung (doch das kommt bei mir Schnäppchenjägerin eher selten vor).
Alsbald landen fast alle dieser neuen Bücher auf einem Stapel. Dem Stapel ungelesener Bücher. Viele verweilen dort Wochen, Monate, ja sogar Jahre. Der Stapel wächst und trotzdem kann ich es nicht lassen, hier und da neue Bücher mitzunehmen oder Bücher, die auf meiner Wunschliste stehen, zu bestellen.
Durch die Bloggerei habe ich erfahren, dass dieses Phänomen auch bei anderen Bibliophilen auftritt. Auf fast jedem Blog findet man eine "SuB"-Sparte, in der die Bücher aufgelistet sind, die der jeweilige Blogger noch zu lesen hat. Meist in einem zweistelligen Bereich.

Als ich heute die facebook-Neuigkeiten checkte, sah ich einen Post von Lovelybooks:


Unsere Krankheit, die eine Mischung aus Kaufsucht, Sammelleidenschaft und Prokrastination ist, hat also einen japanischen Namen: Tsundoku. 

Doch warum ist das so? Warum tendieren Bibliophile dazu, an Tsundoku zu erkranken? Wie entsteht "Tsundoku" überhaupt?

Bei mir ist es so, dass ich Phasen habe, in denen mich bestimmte Bücher interessieren. Zum Beispiel ein bestimmtes Genre. Bei Amazon suche ich mir dann bestimmte Bücher, die mich interessieren, heraus und setze sie auf meine Wunschliste, damit ich diese Bücher nicht vergesse. Irgendwann kaufe ich mir eins davon oder zwei und sie landen zu Hause auf meinem "Stapel ungelesener Bücher". Und warum landen sie dort? Meistens, weil mich dann doch plötzlich ein anderes Genre oder Buch interessiert. So habe ich nämlich schon wieder etwas über ein anderes Buch gelesen, das mir gefallen könnte und es steht schon auf der Wunschliste oder ist auf dem Weg zu mir. Ich denke, das ist mein größtes Problem. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist für ein Genre oder Buch zu kurz, sodass ich das Buch, welches ich mir gekauft habe, schon wieder weglegen muss, da in der Zeit ein anderes interessanter geworden ist. 
Manchmal fehlt mir für einige Bücher auch einfach die Geduld, oder die Laune. Obwohl ich weiß, dass ich dieses Buch irgendwann lesen will. Irgendwann. 
Es gibt Bücher, die sprachlich ziemlich anspruchsvoll sind, weshalb man sich manchmal so richtig auf ein solches Buch einlassen muss. Dabei fehlt mir oftmals die Geduld. Es gibt Bücher, die unglaublich viele Seiten haben und somit relativ viel Zeit in Anspruch nehmen, auch das ist ein Grund, warum ein dickes Buch eher mal auf meinem SuB landet. Ich habe Angst davor, mich von einer langen Geschichte "angekettet" zu fühlen, habe Angst, dass sie mich zu lange "in Beschlag nimmt", da das Leben auf dieser Welt kurz ist und ich noch möglichst viele (andere) Bücher lesen will.
Obwohl ich gerne lese, bin ich keine Schnellleserin. Ich lese meistens abends im Bett und dort schlafe ich schnell ein. Wenn ich ein Buch von 600-1000 Seiten lesen würde, würde ich bestimmt 2 Monate oder länger damit verbringen und das wäre mir irgendwie zu viel. Spätestens nach 3 Wochen müsste dann schon was neues her.
Manchmal kaufe ich mir auch Bücher, weil ich denke, dass ich mir sie kaufen MUSS (vor allem wenn sie im Angebot sind). Eine Stimme in mir sagt dann Dinge wie "Kauf dir das Buch, von dem Autor hast du doch schon mal was gehört!", oder "Das Buch hast du doch auf deiner Wunschliste, dann kannst du es ja jetzt auch mitnehmen." Eigentlich interessieren mich diese Bücher aber dann nicht zu 100% zu diesem Zeitpunkt und sind somit ein Kauf für den SuB.

Doch was kann man tun? Diverse Buch-BloggerInnen rufen Challenges ins Leben, die einem dabei helfen sollen, den SuB abzubauen. Ich muss ehrlich sagen, dass so eine Challenge nichts für mich wäre. Ich glaube, dass man für eine solche Challenge Disziplin braucht. Man muss eines seiner Bücher lesen, auf das (oder auf die) man eventuell grad gar keine Lust hat. Man muss sich zwingen, dieses oder jenes Buch zu lesen, obwohl man irgendwo im Internet oder der Buchhandlung ein neues gesehen, in das man sich verliebt hat.
Etwas zu lesen, weil ich es lesen MUSS, hat mir noch nie wirklich Spaß gemacht. 
Ich habe vor kurzem mal meinen SuB aufgelistet, um wenigstens einen Überblick über das zu haben, was ich noch vor mir habe. Ich hoffe, dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist. Bei einigen Büchern habe ich jedoch das Gefühl, dass ich sie nie lesen werde und vielleicht sollte ich  dann lieber Platz schaffen und sie verkaufen, sodass sie dann bei jemand anderen auf dem SuB landen, der ebenfalls ein Tsundoku-Patient ist. ;)


Kommentare:

  1. Also den Namen finde ich schlimm, klingt eben wir Sudoku, aber das Problem kenne ich ;-)
    Ich sage mir immer wieder: "IRGENDWANN! Irgendwann wirst du es lesen!"
    Ich kann aber auch kaum Bücher hergeben, die ich schon gelesen habe und toll fand, obwohl ich weiß, dass ich sie nie wieder lesen werde!

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    1. Ja, mich hat der Name beim Schreiben auch etwas verwirrt. "Wie hieß das nochmal? Sudoku? Ach nee..."

      Bücher, die ich gelesen habe und toll fand, kann ich auch nicht hergeben! Ich lese so gut wie nie Bücher mehr als ein Mal, aber weggeben kann ich sie trotzdem nicht. :)

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