Montag, 3. März 2014

[Rezension] Charlotte Roche - Schoßgebete


2008 erregte Charlotte Roche, vor allem bekannt als Viva-Moderatorin, mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" die Aufmerksamkeit der Medien und Konsumenten. Das Buch wurde zum erfolgreichsten aber auch kontroversesten Buch des Jahres 2008.
Feministisch, eklig, lustig, interessant, unterhaltsam - sind die Stichworte die dem Roman zugeschrieben wurden.

Ich selber hatte mit Charlotte Roches Romanen nicht viel am Hut. Vor kurzem dachte ich mir, dass ich ja auch mal was von ihr lesen könnte und entdeckte bei Penny ein Mängelexemplar ihres zweiten Romans "Schoßgebete", der im Jahr 2011 erschien.
Auch bei diesem Buch wusste ich in etwa, wie die Handlung ist und was so passiert. Aber ich wurde auch überrascht.

Zur Handlung: 
Die Ich-Erzählerin Elizabeth Kiehl erzählt dem Leser von drei Tagen und derer (sexuellen) Erlebnisse mit ihrem Ehemann Georg, ihren Gesprächen mit ihrer Therapeutin und ihren Gedanken und Zwangsgedanken über sich und ihr Leben. Ihr Leben ist beherrscht von Gedanken über sich, ihren Mann, Eifersucht, den Unfall, das Verhältnis zu ihren Eltern und Ängsten. Nur beim Sex kann sie sich fallen lassen.

Dem Roman vorangestellt ist die Absicherung "Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Darüber hinaus ist jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie realen Geschehnissen rein zufällig und nicht beabsichtigt."
Erst nach einer kleinen Internetrecherche wurde mir klar, dass viele Aspekte in Roches "Schoßgebete" autobiografisch waren und sich so oder so ähnlich zugetragen hatten. 

So verarbeitet sie zum Beispiel in diesem Roman den tragischen Autounfall, in den ihre Brüder und ihre Mutter verwickelt waren und bei dem ihre Brüder starben und ihre Mutter schwer verletzt überlebte. Besonders tragisch daran ist, dass sich dieser Unfall auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit, die in England statt finden sollte, ereignete. 
Der Unfall macht den Kern dieses Romans aus. Vor allem aus diesem Trauma ergeben sich die Ängste und Neurosen der Ich-Erzählerin Elizabeth, von denen sie stets berichtet. 
Wer hier großartige Sexszenen erwartet, der wird wohl eher enttäuscht. Zwar nehmen 2-3 Sexszenen und vor allem ihre Sexualität an sich einen Stellenwert in diesem Roman ein, jedoch wird schnell klar, dass diese nicht vorhanden sind, um zu schocken oder zu reizen, sondern um Elizabeths zwanghafte Persönlichkeit besser darstellen zu können. Denn von sich selbst behauptet sie, erst beim Sex so richtig entspannen zu können. Doch irgendwann fragt man sich: Stimmt das überhaupt?
Das Buch wirkt wie ein Tagebuch und teilweise auch wie eine nervige Bekannte, die nicht aufhört, zu quatschen. Teilweise war das Buch überladen von Elizabeths abschweifenden Gedanken und Zwangsgedanken, was es manchmal etwas anstrengend machte, zu lesen. 
Trotzdem las sich das Buch sehr zügig, da es eher in einer Art Umgangssprache verfasst wurde, die weder anspruchsvoll, noch ausgeschmückt war. Aber die Sprache hat sehr gut gepasst. Und auch die seitenlangen Ausführungen ihrer Gedanken machen wirklich deutlich, wie neurotisch sie ist und wie sehr sie auch von ihren sie quälenden Gedanken beherrscht ist.

Es würde mich nicht wundern, wenn das Buch fast ausschließlich autobiografisch ist. Und dieser Seelen-Striptease macht Charlotte Roche für mich irgendwie sympathisch.

Mein Fazit:
Kurzweiliges Psychogramm von Charlotte Roche über Sex, Tod, Liebe, Familie und Neurosen.


3 Sterne!




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