Freitag, 18. April 2014

[Rezension] William Golding - Herr der Fliegen


Obwohl der Roman "Herr der Fliegen" ja schon so etwas wie ein Klassiker und William Golding ein Nobelpreisträger ist, muss ich zugeben, dass ich bis vor ein paar Wochen nichts über diesen Roman wusste.

"Herr der Fliegen" ist eine Mischung aus Robinsonade, Kulturkritik und auch ein wenig Dystopie.

Zum Inhalt: Eine Gruppe von englischen Schülern wird wegen eines Krieges evakuiert. Jedoch stürzt das Flugzeug ab und die Kinder landen auf einer einsamen Insel. Von Anfang an herrscht eine Rivalität zwischen zwei Gruppen der Kinder: Dem "Chor" einer Eliteschule, die Jack als Anführer hat und der restlichen Gruppe, die Ralph zum Anführer gewählt hat. Vor allem Ralph versucht eine gewisse Ordnung in das Leben auf der Insel ohne Erwachsene zu bringen, wohingegen Jack nur auf Spaß und einer fast sadistischen Jagd auf Schweine aus ist. Als unter den Kindern das Gerücht aufkommt, dass auf der Insel ein gefährliches Monster lebt, spaltet sich die Gruppe der Kinder immer deutlicher in die der "Jäger" von Jack, zu dem immer mehr übertreten und in die "demokratische", ordentliche Gruppe von Ralph...

Der Roman "Herr der Fliegen" thematisiert mehrere "Probleme" des Menschen und Golding macht sich dabei mehrerer Symbole zunutze.
Das herausstechende Thema ist wohl das Böse im Menschen, das früher oder später, selbst beim vermeintlich unschuldigem Kinde, ans Tageslicht tritt. Die Frage, die ich mir hierbei aber gestellt habe: Will Golding deutlich machen, dass Kinder ohne die Erwachsenen böse Wesen sind (oder wären) oder dass Menschen ohne ihre Sozialisation, ohne ihr Gerüst von Regeln und Gesetzen böse sind, egal ob groß oder klein? Jedenfalls wird hier deutlich Kritik am Menschen und der menschlichen Kultur geübt.

Die aggressive Jägergruppe im Roman ist ein Sinnbild für totalitäre und diktatorische Herrschafts- und Politiksysteme, denen sich die Schwächeren kritiklos anschließen und derer Grausamkeiten von ihnen meisten geduldet werden.
Der "Herr der Fliegen" ist eine andere Bezeichnung für den Teufel. Im Roman ist dieser als Symbol zu finden, als aufgespießter Schweinekopf, der voller Fliegen ist. Der Herr der Fliegen ist das Monster, vor dem die Kinder Angst haben, der Schweinekopf eine Opfergabe um dieses zu besänftigen. Im Grunde genommen ist das Tier, vor dem sich die Kinder fürchten, in den Kindern selber: Der böse Teil in ihnen, der gewaltbereit und grausam ist.

Meine Meinung: Wie man meinem letzten Post entnehmen kann, war ich ziemlich froh, als ich das Buch nach viel zu langer Zeit ausgelesen hatte. Ich bin viel zu lange zwischen den Seiten herum gestolpert und kann nicht mal direkt sagen, warum. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass der Stil, ich weiß nicht ob es an der Übersetzung liegt oder ob das Original auch so merkwürdig ist, überhaupt nicht mein Fall war. Ich fand den Roman nicht flüssig geschrieben und oftmals traf ich auf Redewendungen und Ausdrücke, die ich so noch nie gehört oder gelesen habe und dabei habe ich doch schon einiges gelesen. Ich glaube also nicht, dass es daran liegen kann, dass der Roman schon etwas älter ist. Teilweise waren die Dialoge auch ganz merkwürdig, so merkwürdig, dass ich manchmal dachte, ich habe es wirklich mit einem Übersetzungsfehler zu tun.
Die Geschichte an sich fand ich gut, wenn auch manchmal etwas grausam. Sie hat mich beschäftigt und nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, träumte ich sogar davon, war mitten im Geschehen, musste mich vor den Feinden im Dschungel verstecken und hatte eine solche Angst wie Ralph auf den letzten Seiten. Auch wenn mich die Geschichte sehr bewegt hat, war ich nicht ganz zufrieden mit ihr. Ich hätte mir mehr Erklärungen um das Drumherum gewünscht: Was für ein Krieg hat dort stattgefunden, dass die Jungen evakuiert werden mussten? Wie sah ihr voriges Leben in etwa aus? Auch tiefere Beziehungen und Charakterentwicklungen der Jungen habe ich vermisst. 
Das Ende war vorhersehbar und überraschend zugleich, abrupt und ein Ende des Typs "Deus ex machina", was ich eigentlich gar nicht gerne mag.

Fazit: Der Roman "Herr der Fliegen" ist ein bewegender Fingerzeig auf das Böse im Menschen und seiner Kultur, auf den Krieg und auf Totalitäre Regimes, der wohl zum Standardprogramm eines jeden Lesers gehören sollte.

(Die Sterne-Wertung lasse ich heute mal aus, da ich wirklich keine Ahnung habe, wie ich das Buch im Endeffekt bewerten soll.)


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