Montag, 27. Juli 2015

[Rezension] Tomek Tryzna - Zauberer



Von Tomek Tryzna habe ich bereits den beeindruckenden Roman „Fräulein Niemand“ gelesen und musste mir „Zauberer“ von ihm bestellen, um zu schauen, was Herr Tryzna noch so auf dem Kasten hat.

Inhalt:
Romek Stratos lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester im kommunistischen Nachkriegspolen und glaubt, dass er verantwortlich für das Unglück seiner Familie ist: Lala, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, bietet ihm an, mit ihrem Tretauto zu fahren und Romek lässt die elterliche Wohnung unbeaufsichtigt. Einbrecher nehmen in diesem Moment alles, was wertvoll ist, und zurück bleibt eine Familie, die dadurch in Schulden getrieben wird und von der gut situierten Gesellschaft in ärmliche Verhältnisse rutscht. Romek versucht, obwohl er selber noch zur Schule geht, alles, was er kann, dass es seiner Familie besser geht, doch muss immer wieder die Erfahrung von Verlust machen.

Meine Meinung:
„Zauberer“ von Tomek Tryzna hatte ich schnell durchgelesen, es hat mir vom Stil und von der Thematik her gut gefallen.
Die Geschichte um Romek und seine Familie war für mich sehr fesselnd, da ich immer gehofft  hatte, dass es der Familie bald wieder besser gehen würde, dass sein Vater aufhört, zu trinken, dass seine Eltern aufhören, zu streiten und dass sie es schaffen, wieder erfolgreich als selbstständige Schneider arbeiten zu können.
Tryzna hat eine Vorliebe für Gedankengänge und Fantasien seiner Protagonisten, die er sehr bildlich und manchmal traumartig verworren niederschreibt. Bereits bei „Fräulein Niemand“ konnte man erkennen, dass Tomek Tryzna die Grenzen zwischen der Realität und der Fantasie der Protagonisten verwischt, sodass an einigen Stellen nicht ganz klar ist, ob hier nun fantasiert wird oder etwas wirklich in der Geschichte geschieht. Dies scheint aber immer zu passen, da die Hauptperson in „Zauberer“ sowie in „Fräulein Niemand“ ein nicht ganz einfaches Schicksal haben, aus dem sie sich mit diesen Tagträumen wegzudenken scheinen. Tryzna scheint diese kindliche Fantasterei als Stilmittel zu nutzen. Vielleicht, um die nicht ausgesprochene Hilflosigkeit seiner Protagonisten darzustellen?
Romek wirkt während der Versuche, seine Mutter zu schützen und seine Familie zu unterstützen immer sehr reif und verantwortungsbewusst, obwohl er noch ein Kind ist. Er scheint nie wirklich überfordert mit der Situation zu sein und träumt davon, den Menschen, die er liebt, zu helfen und für sie sorgen zu können, doch dabei verlieren sich seine Träume manchmal.
Der Roman „Zauberer“ von Tomek Tryzna ist eine kleine Reise in das Leben einer Familie im kommunistischen Polen mitsamt ihren Träumen, Glücksmomenten und Verlusten.


4 von 5 Sternen



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