Sonntag, 26. Juli 2015

[Rezension] Wally Lamb - Die Musik der Wale




Dieses Buch habe ich von einer guten Freundin zum Geburtstag bekommen. Sie hatte es mir wärmstens empfohlen und gemeint, dass es mir sehr gefallen würde.
Diese Behauptung musste ich sogleich überprüfen. 


Inhalt:
Dolores ist ein sensibles Mädchen und lebt im Connecticut der 50er Jahre. Sie wächst als einziges Kind bei ihrem gewalttätigen Vater und ihrer labilen Mutter auf, bis diese sich trennen und Dolores zu ihrer Großmutter ziehen muss, mit der sie in den ersten Jahren kaum zurecht kommt. Ihre Mutter kommt in die Psychiatrie und so ist Dolores vorerst, mit ihrer ungeliebten Großmutter, auf sich alleine gestellt, denn Kontakt zu ihrem Vater hat sie kaum noch. 
Die einsame Dolores bleibt vor Schicksalsschlägen nicht verschont: Sie wird Opfer einer Vergewaltigung, ihre Mutter kommt bei einem Unfall ums Leben, sie bricht ein Studium ab, landet nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie, heiratet und lässt sich scheiden. 
Währenddessen wird dem Leser erzählt, wie Dolores von einem traurigen Mädchen zu einer selbstbewussten Frau heran reift, die sich letzten Endes mit sich selber und ihrem Lebenslauf versöhnt.


Persönliche Meinung:
„Die Musik der Wale“ war für mich von vorne bis hinten ein berührendes Buch. Wie man der Inhaltsbeschreibung entnehmen kann, muss man mit Dolores durch ganz schön viele Schwierigkeiten durch und dabei hat man teilweise das Gefühl „Langsam reicht’s! Das Mädchen hat doch schon genug durchgemacht! Wieviel kann ein Mensch ertragen?“
An einigen Stellen kamen mir wirklich die Tränen und ich habe sehr mit der Protagonistin mitgefühlt. Die Schauplätze, die Situationen und Dolores‘ Gefühlswelt sind sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben.
Auch Dolores‘ persönliche Entwicklung war für mich immer nachvollziehbar, da viele Marotten und Eigenschaften, die sie erworben hat, ein Resultat ihrer negativen Erfahrungen waren. 
Trotzdem war ich teilweise genervt von ihr und war von ihrem Verhalten angewidert. Auch scheint der Autor dabei manchmal etwas in die Klischeekiste gegriffen zu haben. So ist Dolores nämlich durch die traumatische Vergewaltigung und durch Frust übergewichtig geworden. Die meiste Zeit ihrer Jugend verbrachte sie mit Essen, oder eher gesagt Fressanfällen, vor dem Fernseher.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass hierbei eine klischeehafte Übergewichtige vom Autor konstruiert wurde. Klischeehaft, wie sie sich verhält, wie sie sich selber sieht und wie sie von anderen wahrgenommen wird.
Doch Gott sei Dank entwickelt sich Dolores in verschiedene Richtungen, bis sie letztendlich zu einer zufriedenen Frau wird, die sich mit sich selber und ihrem Leben vertragen hat und das Glück an anderer Stelle findet, als erwartet. Diese Reise durch Dolores‘ Leben wirkt wie ein Roadmovie durch ein schwieriges Leben, wie eine Fahrt, dessen Ziel unerreichbar scheint und glücklicherweise dann doch irgendwann über kurvige Straßen erreicht wird. 




4 von 5 Sternen



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