Mittwoch, 5. August 2015

[Rezension] Thomas Mann - Buddenbrooks



Die "Buddenbrooks" kannte ich bereits als Verfilmung. Die von 2008, die relativ nah an der Romanvorlage ist und eine schwarzweiße von 1959, die relativ stark davon abweicht. Beide haben mir aber sehr gefallen. Ich begeistere mich für Geschichten, die zwischen 1800 und 1930 spielen, womit Buddenbrooks perfekt in diese Zeitspanne hinein passt.
Da ich schon einige Kurzgeschichten von Thomas Mann gelesen hatte und sein Werk „Felix Krull“ zu meinen Lieblingsbüchern gehört, dachte ich, dass ich es mir zur Aufgabe machen müsse, „Buddenbrooks“ zu lesen. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Thomas Mann für „Buddenbrooks“ den Nobelpreis für Literatur bekam. Ich habe mir das Buch also vor über einem Jahr angeschafft, mich aber immer drum herum gewunden, da ich dachte, dass es zähe, langweilige Literatur sei. Auch aufgrund seines Umfangs (ca. 760 Seiten). Lustigerweise war es dann doch nicht so schlimm, wie gedacht, im Gegenteil… Aber lest selbst.

Inhalt
Die Geschichte beginnt in den 1830ern und endet in den 1870ern. Während dieser Zeitspanne begleitet man die Lübecker Kaufmannsfamilie „Buddenbrook“ bei ihren Höhen und Tiefen und letztendlich bei ihrem „Verfall“.
Während der Geschichte lernt man 4 Generationen der Familie und die einzelnen Familienmitglieder mit ihren Sorgen und Eigenarten kennen.

Meine Meinung
Es ist gar nicht so einfach, etwas über ein so literarisch bedeutsames zu schreiben. Thomas Mann gehört zu den Größen der deutschen Schriftsteller  und hat den Nobelpreis für Literatur für dieses Werk erhalten. Zum Glück habe ich aber nichts zu kritisieren, denn negative Kritik zu üben, ist meist schwieriger, als positive und bei so einem Werk würde es sich ganz komisch anfühlen, ein schlechtes Wort darüber zu verlieren. Nicht, dass ein großer Schriftsteller nicht kritisiert werden darf…
Aber ich war positiv überrascht. Wie ich ja eingangs sagte, hatte ich etwas Angst, dass „Buddenbrooks“ zäh und langweilig sein wird, auch aufgrund seines Umfanges. Dem war aber überhaupt nicht so. Ich habe jede Seite genossen!

Ich konnte mich richtig in die Familiengeschichte hinein fühlen, konnte alle möglichen Personen kennen lernen und hatte nie das Gefühl, durcheinander zu kommen und mich zu fragen „Wer war hier nochmal wer?“
Während des Lesens bin ich eine enge Freundin von Tony geworden, habe aber auch mit den anderen mitfühlen können, selbst Christian wurde mir sympathisch.

Auch mochte ich den Stil von Thomas Mann. Sein „Verschachtelte-Sätze“-Stil, für den er bekannt ist, war bei „Buddenbrooks“ noch nicht so arg zu beobachten. Vielleicht, weil Thomas Mann während der Entstehung erst in seinen 20ern und „Buddenbrooks“ eines seiner ersten großen Werke war. Oftmals musste ich auch etwas kichern, in vielen Abschnitten herrscht, wenn es passt, ein humoristischer, vielleicht sarkastischer Unterton und Thomas Mann benutzt für seine Charaktere immer wieder dieselben Wörter, wodurch sie einen Wiedererkennungswert erhalten und manchmal auch sympathisch-schrullig wirken. So „kraust“ Christian Buddenbrook stets seine Nase, wenn er von seinen Leiden erzählt, Gerda Buddenbrook besitzt die „eng zusammenstehenden Augen mit blauen Schatten“, die Thomas Mann immer wieder erwähnt und Sesemi Weichbrodt sagt zu jedem Familienereignis „Sei glöcklich du gutes Kend“ und verteilt laut knallende Küsse auf die Stirn.
Trotzdem hat man gemerkt: Thomas Mann ist, auch mit Anfang 20, ein Meister der deutschen Sprache, was das Lesen zu etwas besonderem gemacht hat.

Auch spannend: Die Buddenbrooks basieren auf der Kaufmannsfamilie "Mann", in die Thomas Mann hinein geboren wurde. Viele Personen, die im Roman vorkommen, haben reale Vorbilder, was damals auch auf Empörung gestoßen ist. Die Hintergründe dazu und welche Person welchem Charakter Modell stand, kann man auf Wikipedia nachlesen. 


Fazit
Eine humorvolle und doch dramatische Familiensaga einer Lübecker Kaufmannsfamilie auf sprachlich höchstem Niveau und ein absolutes Must-Read!


5 Sterne

Kommentare:

  1. Hallöchen!

    Wow, da hast du dir aber einige Seiten gegönnt :D Ich habe eine recht schöne Ausgabe von Buddenbrooks im Regal stehen (unversehrt am Flohmarkt für 1€ erstanden!!!), konnte mich bisher aber nicht über die ersten Seiten hinaus wagen :)

    Es wird wirklich wieder einmal Zeit für ein paar Klassiker. Danke für die Motivation!

    Liebe Grüße
    Misty

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    1. Hihi, schön, dass ich dich motivieren konnte. :)
      Die Überwindung ist es echt wert!

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  2. Verrückt - ich finde es immer viel viel schwieriger, positive Dinge zu formulieren - negatives geht mir ziemlich locker von der Hand :D
    So auch bei diesem Buch, wenn ich mal darüber rede. Wir haben es damals in der Schule lesen müssen und vielleicht kommt meine starke Abneigung hauptsächlich daher :D Aber Tony fand ich absolut nervig und das würde heute sicher auch noch so sein. Alleine die Geschichte rund um Hanno (hieß er so?) habe ich positiv in Erinnerung. Aber gut, ich finde immer, über Schullektüre redet man nur vorbelastet. Wäre ich damals nicht gezwungen worden, das Buch zu lesen, hätte ich es mir mittlerweile sicher selbst vorgenommen und weitaus besser aufgefasst.
    Auf jeden Fall schön, dass es dir so gut gefallen hat :)

    Liebe Grüße
    MelMel

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    1. Das mit der Schullektüre kenne ich - Das Thema habe ich in meinem letzten Post besprochen und alle Bücher aufgelistet, an die ich mich aus meiner Schulzeit erinnern konnte. Es waren wirklich viele Bücher dabei, die mir nicht gefallen haben und da würde ich auch den Umständen mitunter die Schuld geben. :)
      Bücher im Deutschunterricht zu lesen und zu bearbeiten ist immer eine schwierige Angelegenheit. :/

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  3. Mir haben die Buddenbrooks auch sehr gut gefallen, obwohl ich vorher skeptisch war. Den Zauberberg hatte ich nämlich bereits fürs Studium gelesen und der hat mich nach einem sehr starken Anfang eher enttäuscht. Aber die Buddenbrooks haben mir dann viel besser gefallen.
    Interessant übrigens, was du zur Verfilmung von 2008 schreibst. Ich fand nämlich, dass die bestenfalls vage Ähnlichkeit mit dem Buch hat und mochte sie überhaupt nicht.

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    1. Ja, da hast du Recht. Auch in der 2008-Version wurde viel geändert. Die Version von 1959 ist aber noch weiter weg vom Original. Man könnte sie fast "frei nach dem Roman von..." nennen. :)
      Trotzdem mochte ich beide. Ich habe aber gelesen, dass es noch ein zwei andere Spielfilme zu den Buddenbrooks gibt. Vielleicht würde dir einer davon ja besser gefallen? :)

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