Sonntag, 19. Februar 2017

Der Friedhof der abgebrochenen Bücher. Teil 3: Joey Goebel - Freaks



"Vincent" ist ja ein hochgelobtes Buch vom Autor Joey Goebel, welches man nicht verpassen darf. So in etwa liest es sich zumindest, wenn man Rezensionen zu diesem Buch liest. Zufälligerweise begegnete mir einst ein anderer Roman des Autors. "Freaks". Ich dachte mir, ich nehme ihn mal mit und führe ihn mir zu Gemüte. Ich habe es aber nicht weit geschafft.

"Freaks" ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Band in Kentucky. Ungewöhnlich, warum? Weil die Mitglieder sehr verschieden und -nunja- ungewöhnlich sind. Ein Literatur-Kenner würde wahrscheinlich sagen, dass Goebel tief in die Klischee-Kiste gegriffen hat.
Die Mitglieder der Band sind eine nymphomanische 80-jährige Dame; ein niedliches 8-jähriges misanthropisches Mädchen; ein Afroamerikaner, der sich von seinen dreizehn mit Drogen dealenden Brüdern abgrenzen will, indem er den Intellektuellen mimt; eine Prediger-Tochter, mit Hang zum Satanismus im Rollstuhl und ein irakischer Soldat, der im Krieg einen amerikanischen Soldaten verletzt hat und nun auf der Suche nach ihm ist. Diese konstruierten Charaktere entspringen scheinbar einem Autoren-Hirn, was sich dachte: "Hmm, welche Eigenschaften kann ich meinen Charakteren geben, damit sie besonders auffallen, damit ICH besonders auffalle und in der Welt der Literatur provoziere?"
Mich hat zumindest gar nichts provoziert. Ich fand den Roman inhaltslos, seine Sprache platt, gewollt cool und vulgär. Scheinbar tiefgründige Passagen, geäußert durch den afroamerikanischen Intellektuellen, lasen sich abgedroschen wie all die Charaktere, die sich in dem Roman tummelten. 
Die Kapitel sind jeweils aus anderen Perspektiven geschrieben, jeder "Freak" kommt mal zu Wort. Ich fand diese Erzähltechnik unheimlich nervig, sie wirkte auf mich nicht sinnvoll. Eine auktoriale Perspektive hätte diesen ganzen Bekloppten einen sicheren, geordneten Rahmen gegeben. Diese Perspektivwechselei jedoch wirkte genauso gewürfelt wie die Charaktere selber. Auffallen um jeden Preis scheint das Motto des Autors gewesen sein. 

Das Buch entsorgte ich letztendlich im Müll. Erde zu Erde, Asche zu Asche, Müll zu Müll.

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