Sonntag, 5. Februar 2017

[Rezension] Wladimir Kaminer - Russendisko


Ich liebe es ja, Hypes und Trends zu erforschen. Ich finde es spannend, mir Filme anzuschauen oder Bücher zu lesen, um die ein großer Wirbel gemacht wird, um entweder zu entlarven, dass dieser Hype nur ein Produkt einer erfolgreichen Marketingstrategie ist oder um festzustellen, dass der Wirbel um dieses Werk tatsächlich eine Berechtigung besitzt, weil die Geschichte spannend ist, eine tolle Aussage drin steckt oder die Welt aufgrund einer künstlerischen Innovation überrascht. Ganz oft, wenn ich versuche, hinter einen solchen Hype zu kommen, bin ich nach dem Lesen oder Rezipieren ganz ernüchtert. "Das soll's jetzt gewesen sein?", frage ich mich dann, so, wie ich es mich bei diesem Buch fragte.

Inhalt und Meinung
"Russendisko" war nicht mein erster Kaminer. Vor einigen Jahren hatte ich "Ich mache mir sorgen, Mama" gelesen. Ebenfalls wie "Russendisko" eine Sammlung von Anekdoten rund um das multikulturelle Leben eines in Deutschland lebenden Russen. "Ich mache mir Sorgen, Mama" hatte mir ganz gut gefallen, in dem Sinne, dass seine Anekdoten ganz lustig waren und ich den trockenen russischen Humor gut herauslesen konnte. Außerdem teilte Kaminer einem dort etwas über die russische Sichtweise auf Deutschland und seine Sprache mit, was ich immer ganz interessant finde.
Das habe ich bei "Russendisko" etwas vermisst. Ich hatte mir erhofft, dass Kaminer von seinem wilden, interessanten Leben als Einwanderer in Berlin erzählt, dass man etwas über die Kultur russischer Einwanderer erfährt und darüber, wie sie das Leben hier empfinden. Jedoch waren die Anekdoten in "Russendisko" sehr unpersönlich und meist auch gar nicht so witzig, wie Verlag und co. dies behaupteten. Stellenweise habe ich mich sehr gelangweilt. Ich hatte am Ende nichts erfahren. Nicht über den Autor, nichts über Kulturen, nichts über das Einwandern zu dieser Zeit an sich, nichts über Berlin, dass Anfang der 90er Jahre eine spannende Zeit und einen Wandel durchmachte.
Die Anekdoten, die Kaminer erzählte, waren recht zusammenhanglos und schienen mir nicht chronologisch angeordnet gewesen zu sein und das wäre doch das mindeste, wenn sie schon zusammenhanglos in diesem Buch vereint sind? Wo ist die sogenannte Russendisko? Ja, es gibt eine kleine Geschichte über die sogenannte Russendisko, die sie unter sich mal veranstaltet haben, aber ich dachte, das ganze Buch drehe sich darum, dass etwas innovatives, lustiges, verrücktes im wilden Berlin auf die Beine gestellt wurde, woran man sich heute noch gerne erinnert? Nichts dergleichen.

Fazit
Das Buch mag für Wenigleser geeignet sein. Für Menschen, die höchtstens im Mallorca-Urlaub oder im Wartezimmer beim Arzt ein unkompliziertes Buch lesen wollen, um Zeit totzuschlagen. Für mich und meine Ansprüche war es aber nichts.

2 Sterne


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