Dienstag, 28. Februar 2017

Romane, die mein Leben beeinflussten (Teil 1)

Kennt ihr das? Ihr habt ein Buch beendet, es klingt lange noch in euren Gedanken und in den Bildern in eurem Kopf nach. Ihr durchdenkt noch einmal das Gelesene und bemerkt: Es hat euer Denken beeinflusst.

Es gibt ein paar Bücher, die mich so sehr beeindruckten, dass sie mein Denken veränderten oder in gewisse Bahnen lenkten. Sie erweiterten meinen Horizont oder ermöglichten mir ein Gefühl oder eine Sicht, das so vorher nicht dagewesen war. Somit beeinflussten sie letztendlich auch mein Leben. Oder? Doch welche Romane waren es?


"1984" ist eines meiner Lieblingsbücher. Es hat mein Denken dahingehend verändert, dass ich mir ausmalen konnte, was in einem politischen System oder in einer Gesellschaft alles möglich wäre. Man kann das Denken der Menschen beeinflussen, indem man ihre Sprache beeinflusst. Begriffe können aus den Köpfen der Menschen gelöscht oder geändert werden indem man das passende Vokabular ändert. Auch die Emotionen der Menschen lassen sich beherrschen, indem man die Sprache auf eine bestimmte Art und Weise nutzt. Dies geschieht nicht nur in der Dystopie "1984", sondern auch im heutigen Deutschland. Man schaue sich nur den Wikipedia-Artikel zu "Euphemismus" an.


"Unterwegs" von Jack Kerouac veränderte vor allem meine Gefühlswelt und kam wie gerufen als ich es, genauso wie "1984" mit 20 Jahren las.
Kerouac weckte in mir den Wunsch, frei, spontan und "unterwegs" zu sein. Ich wollte raus, die Welt erkunden und viel erleben. Es beeinflusste meine Einstellungen zu vielen Dingen, machte mich mutiger und ungebundener. Ich bin froh, auf Kerouac, meinen Lieblingsautoren, gestoßen zu sein.


 

"Die Verwandlung" las ich mit etwa 18 oder 19 Jahren und war der erste Klassiker, den ich komplett freiwillig las. Klassiker kannte ich bisher nur aus dem Deutschunterricht, der einem mitunter den Spaß an einem solchen Werk nehmen kann. 
Kafkas außergewöhnliche Atmosphäre, die Sprache und das günstige Reclam-Format machten mir Lust auf mehr. Hätte ich nicht mit Kafka begonnen - ich weiß nicht, ob ich dann jemals freiwillig weitere Klassiker gelesen hätte.


Die "Harry Potter"-Reihe habe ich vergleichsweise spät angefangen. Das war im Sommer 2003, als ich 15 war. Ich hatte mich immer gegen den Hype gewehrt, bis ich herausfinden wollte, was es mit diesem komischen Jungen auf sich hat. Ich bestellte mir den ersten Band und nahm ihn mit den Urlaub nach Frankreich. Den Band hatte ich verschlungen und saß dann, im Urlaub, auf dem Trockenen. 
Wieder zu Hause begann ich, mir die weiteren, bisher erhältlichen Teile zu kaufen und wurde doch ein Fan davon. Die letzten beiden Teile bestellte und las ich dann auf Englisch, weil ich das Warten auf die Übersetzung nicht aushalten konnte. Und dann kam das tiefe Loch nach Harry Potter, das wohl viele Leser überfällt.
Ich versuchte, es mit "Tintenherz" zu stopfen, was mir aber nicht gelang. Auch andere Jugendfantasyromane hatte ich halbherzig angetestet, was mir nicht zusagte. Ich begann das Lesen von Belletristik und war einigermaßen zufrieden. 
Harry Potter hat mich zum regelmäßigen Lesen animiert, mir den Spaß am Lesen vermittelt. Zwar habe ich zuvor und in meiner Kindheit ab und zu gelesen, jedoch nicht so viel wie nach Harry Potter. 


In der Autobiographie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gab es neben grusligen Drogensucht-Stories allerlei interessantes zu entdecken. Jedenfalls beeinflussten mich ein paar Dinge aus diesem Buch in der Zeit, in der ich es las. Ich muss etwa 18 gewesen sein. Christiane F. hatte eine jugendliche Sprache, mit der ich mich zu jener Zeit identifizieren konnte. Oft benutzte sie "rumflippen" im Sinne von "herumstreunern", von "A nach B gehen und etwas cooles erleben". So nutzte auch ich es mit meiner damaligen besten Freundin und es hat perfekt zu uns gepasst, so dachten wir.
Christiane F. trank außerdem gerne Kirschsaft, was mich dazu inspirierte, Wodka mit Kirschsaft zu trinken, wenn ich ausging. 
Sie erzählte außerdem viel von dem Buch "Die Kunst des Liebens", ein gesellschaftskritisches Werk des Philosophen und Psychoanalytikers Erich Fromm, welches sich kritisch mit der romantischen Liebe in der kapitalistischen Gesellschaft auseinandersetzt. Wie Christiane F. habe ich das Buch verschlungen. Durch sie bin ich an Erich Fromm geraten und dieser öffnete mir mit seinem Werk das Tor zur Philosophie und/oder machte sie mir zugänglich.







Kommentare:

  1. Spannend, einen ähnlichen Blogbeitrag habe ich auch seit einer Weile geplant - wobei es bei mir eher um Bücher gehen wird, die mein weiteres Lesen beeinflusst haben.
    Einige der genannten Titel habe ich ebenfalls gelesen. Ich muss etwa so 16 oder 17 Jahre alte gewesen sein, als ich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen habe und mich hat das Buch sehr beeindruckt. Ich glaube, ich habe es auch noch zwei oder drei weitere Male gelesen.
    Mit der Verwandlung konnte ich leider nichts anfangen. Mich hat dann erst "Der Prozess" im Studium mit Kafka ausgesöhnt.

    Die Harry Potter-Lücke konnte ich später auch nicht mehr füllen. Die Reihe hat mich zwar nicht zum Lesen animiert (ich habe vorher immer schon ein Buch nach dem anderen verschlungen), aber sie hat mich doch acht Jahre meines Lebens begleitet bzw. zwölf Jahre, wenn man die Verfilmungen mit dazu rechnet. Als dann der letzte Film draußen war, bin ich auch ein wenig in ein Loch gefallen. Nach dem letzten Buch habe ich mich ja immer noch auf die nächsten Filme gefreut, aber der letzte Film war für mich tatsächlich eine Art Abschied von der Harry Potter-Welt.
    Diese Lücke lässt sich auch mit den aktuellen Veröffentlichungen nicht füllen, finde ich. "The Cursed Child" reizt mich bislang nicht wirklich und die "Phantastischen Tierwesen" sind sehr nett, aber es ist eben doch nicht dasselbe wie damals mit Harry Potter.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit Harry Potter erging es mir wirklich ähnlich. Der Abschied war schwer und fand tatsächlich erst nach den Filmen statt. Danach war es endgültig zu Ende. Andere Werke aus der Reihe und Spin Offs reizen mich auch nicht wirklich. Eine Theateraufführung würde ich mir zwar anschauen, wenn es mal zu uns nach Deutschland kommen sollte, ein Drehbuch zu lesen ist für mich kein richtiges Potter-Erlebnis.

      Ich bin gespannt auf deinen Blogbeitrag zu diesem Thema. :)

      Löschen