Samstag, 18. Februar 2017

Weitere Gedanken zu "Effi Briest" von Theodor Fontane




Es ist nun bald einen Monat her, seit ich "Effi Briest" ausgelesen habe und noch immer hallt die Geschichte in mir nach. Und das soll doch ein gutes Zeichen sein. Nach ein bisschen Gegoogle habe ich herausgefunden, dass Effis Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert, was ich zum Zeitpunkt meiner Rezension gar nicht wusste. Die 1853 geborene Elisabeth von Plotho war es, die Theodor Fontane den Stoff für seinen berühmten Ehebruchroman darbot. Zwar war ihre Biografie ein wenig anders als die Effis, jedoch gab es auch einige Übereinstimmungen.

Elisabeth von Plotho heiratete den Baron Armand von Ardenne und wurde somit zu Baronin Elisabeth von Ardenne. Sie lernten sich bereits in ihrer Jugend kennen, er war fünf Jahre älter als sie. Seinen ersten Heiratsantrag wies sie ab. Ihre Gefühle schienen sich geändert zu haben, als Armand von Ardenne während des deutsch-französischen Krieges verwundet wurde. Sie heirateten, als sie 19 und er 24 war.
Als das Ehepaar einige Jahre später von Berlin nach Düsseldorf zog, lernten sie den Amtsrichter Emil Hartwich kennen, mit dem sie sich befreundeten. Besonders die Baronin verband eine enge Freundschaft mit ihm, da sie viele Gemeinsamkeiten, wie die Liebe zum Theater, entdeckten. Elisabeth unterhielt auch noch einen regen Briefwechsel mit Hartwich, als sie und der Baron wieder nach Berlin gezogen waren, wo er die Familie gelegentlich besuchte.
Eines Sommers, als sich Armand  in einem Manöver befand, beschlossen Elisabeth und der unglücklich verheiratete Hartwich, sich von ihren Ehepartnern scheiden zu lassen, um zu heiraten. Der Baron jedoch entdeckte ihr geheimes Vorhaben in Form eines regen Briefwechsels in Elisabeths Kassette und wurde in seinem Argwohn bestätigt. Er reichte die Scheidungsklage ein und forderte Hartwich zum Duell heraus, um seine verletzte Männerehre wieder herzustellen. Hartwich wurde dabei schwer verletzt und erlag einige Tage später seinen Verletzungen im Universitätsklinikum in Berlin. 
Nach der Scheidung wurden die Kinder Margot und Egmont dem Baron zugesprochen. Elisabeth wurde danach Krankenpflegerin und kümmerte sich um Bedürftige und Kranke. Im Gegensatz zu Effi begann Elisabeth nach der Scheidung sich selbst zu verwirklichen. Sie starb nicht an gebrochenem Herzen und sah ihre Kinder wieder, wenn auch erst nach fast zwanzig Jahren.

Theodor Fontane verkehrte in denselben Kreisen wie die adlige Familie und erfuhr aus einer Zeitung von der Duellierung des Barons und seines Rivalen. Die reale Ehebruch-Geschichte inspirierte ihn zu seinem Gesellschaftsroman "Effi Briest".

Die Verfilmung von 2009 kannte ich vor dem Lesen des Romans, ich hatte sie damals im Kino gesehen. Nach dem Lesen ist mir aufgefallen, dass irgendetwas anders ist. Effis Filmversion verwirklicht sich nach der Scheidung selbst, stirbt nicht an gebrochenem Herzen. Von Fontane unausgesprochene Dinge wie die Entdeckung ihrer Lust werden im Film deutlich thematisiert. Mich irritierten diese Unterschiede, als ich den Roman kürzlich auslas. Denn genau das Unausgesprochene war es, was mich an Fontanes Roman so faszinierte; dass hinter vielem eine Interpretations-Ebene liegt, die es zu erkunden gilt. Denn auch das tragische Ende der todkranken, leidenden Effi schafft eine Dramatik, die die Missstände der damaligen, preußischen Gesellschaft beschreibt. Wertneutral und offen für Interpretationen, ganz wie es im Realismus üblich war. Die Regisseurin Hermine Huntgeburth erschuf eine moderne Effi, die mit den Empfindungen einer modernen Frau ausgestattet war und ein modernes neues Leben begann - Könnte man meinen. Jedoch wird deutlich, wenn man sich mit der Hintergrundgeschichte des Romans beschäftigt, dass Huntgeburths Effi ein Hybrid ihres literarischen und realen Vorbilds ist, und dieser Film somit nicht nur Theodor Fontane, sondern auch Elisabeth von Plotho die Ehre erweist.





Quellen

Kommentare:

  1. Oh, sogar noch ein Artikel zu Effi, den musste ich natürlich auch noch schnell lesen. :D

    Ich kann mich erinnern dass ich gerade dieses Unausgesprochene als Jugendliche so irritierend fand. Das einige Dinge wie Landschaften etc. in dem Roman so ausgeschrieben werden, dann aber die Gefühle der Figuren, das, was mich als junger Mensch gerade interessiert hätte, so übergangen wird.
    Ich kann mir vorstellen dass diese Kritik in dem Film so aufgenommen wurde, dass man sort mehr zeigen wollte, um die Geschichte auch jüngeren, sogar den ganzen Schülern, näherzubringen.

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    1. Ja, das kann ich mir auch vorstellen. :)
      Vielleicht ist es altersabhängig, oder davon, unter welchen Umständen man das Buch liest oder ganz einfach eine Frage des Geschmacks. Ich kann mir vorstellen, dass es mich als Jugendliche im Deutschunterricht auch sehr irritiert und genervt hätte. :D

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