Sonntag, 12. März 2017

[Filmrezension] Becks letzter Sommer



Nachdem ich Benedict Wells‘ Roman „Becks letzter Sommer“ gelesen hatte, musste ich mir natürlich den Film anschauen. Das muss nicht immer eine gute Idee sein, kann mitunter den Horizont zum Werk aber erweitern. Bei diesem Roman-Film gespannt passierte mir dies leider nicht. Hier nun der Versuch eines spoilerfreien Vergleichs.



Inhalt (größtenteils von meiner Buchrezension übernommen)
Robert Beck ist Ende dreißig und Lehrer an einem Gymnasium für Deutsch und Musik. Er befindet sich in einer Midlife-Crisis und trauert seiner verpassten Musikkarierre nach. Der Deutschafrikaner Charlie, ein liebenswerter Hypochonder, ist sein bester Freund. Außer ihm hat er kaum soziale Kontakte.
In einem Café lernt Beck die junge Kellnerin Lara kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Lara hat sich für ein Studium an einer Modeschule in Rom beworben, was Beck scheinbar nichts ausmacht.
Einer seiner Schüler, der jungenhafte Rauli Kantas aus Litauen, entpuppt sich als musikalisches Wunderkind und Beck nimmt sich seiner an, er will ihn als sein Manager groß herausbringen und beginnt, Songs für ihn zu schreiben. Beck organisiert eine Release-Party für Rauli, auf der er Becks geschriebene Songs spielt. Jedoch sind es nicht diese, die das Publikum begeistern, sondern seine eigenen komponierten Stücke, die er immer mal zwischendurch auf gelbe Notizzettel gekritzelt hat.
Becks ehemaliger Bandkollege, der ihn damals schon aus der Band schmiss, bietet Rauli einen Musikvertrag bei Universal an. Beck wäre damit jedoch als Manager raus und so verheimlicht er Rauli vorerst, dass ihm ein Vertrag bei einem Major-Label angeboten wurde.
Charlie, der mittlerweile in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, bricht aus dieser aus und will seine in der Türkei lebende Mutter besuchen. Beck und Rauli begleiten ihn und nehmen aufgrund Charlies Flugangst das Auto, mit dem sie durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien bis nach Istanbul fahren.



Meinung
Vielleicht sollte man nicht kleinlich sein, wenn man einen Film guckt, der einen Roman zur Vorlage hat. Einige, teilweise gravierende Dinge, die ich im Roman gelesen habe, kamen aber im Film nicht vor oder wurden so geändert, dass sich der ganze Film änderte, dass Roman und Film nur noch das Grundgerüst gemein hatten.

Christian Ulmen ist ein mir sehr sympathischer Schauspieler. So sympathisch, dass er für Beck eine völlige Fehlbesetzung war. Beck ist wenig sozial, leidet am Leben, egoistisch und in vielen Situationen auch ein Feigling. Sympathisch war er einem beim Lesen nicht. Christian Ulmen hingegen verkörperte Beck ziemlich liebenswürdig, etwas trottelig vielleicht und auch naiv, was mich oftmals etwas irritierte. Im Roman trifft Beck während eines Drogentrips auf den von ihm so verhassten Musiker Bob Dylan. Im Film wird Dylan nicht erwähnt. Stattdessen spricht er mit dem fremden Mann, dessen Beerdigung er beiwohnte. Warum?!

Charlies Geschichte in dem Buch, die Geschichte eines gutgelaunten Frauenhelden, der sich zu einem traurigen Mann entwickelt, weil er Menschen vermisst, seinen Platz nicht findet und Angst vorm Sterben hat, ist, genau genommen traurig. Im Film wird ein Bild von Charlie gezeichnet, das einen etwas verrückten, aber trotzdem stets lebensfrohen jungen Mann zeigt, der voller Energie und Abenteuerlust steckt. Das, was mit Charlie am Ende des Romans passiert, findet im Film nicht statt. Wodurch für mich ein wichtiges Element der Geschichte fehlt.

Allgemein ist das Ende des Films das komplette Gegenteil des Romanendes. Im Roman hat man das Gefühl, dass die Rollen getauscht werden, was die Charakterentwicklung angeht. Im Film findet keine Charakterentwicklung statt. Die Geschichte plätschert so dahin, ohne, dass wichtige Dinge erklärt werden.



Fazit

Nette Unterhaltung, die in Buchform um einiges nachdenklicher und tiefgründiger ist.

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