Freitag, 3. März 2017

[Filmrezension] Kill your Darlings


Seit ich von diesem Film erfuhr, wollte ich ihn unbedingt sehen. Er behandelt eine wahre Geschichte einer literarischen Epoche oder Gruppe, die mir sehr am Herzen liegt: Die Beat-Generation. Gott sei Dank fand ich ihn dann auf Netflix!
Für die Beat-Generation ist vor allem Jack Kerouac bekannt. Er ist so etwas wie ihr Aushängeschild, er ist der erfolgreichste dieser Schriftsteller-Gruppe, die vor allem in den 40ern und 50ern des 20. Jahrhunderts wirkte. Die Vertreter dieser Gruppe, William S. Burroughs, Jack Kerouac, Allen Ginsberg und einige weitere kreative und verrückte Köpfe, lernten sich in New York an der Columbia University kennen und wirkten auch vor allem dort und teilweise in San Francisco. In New York und rund um die Columbia University spielt auch der Film "Kill Your Darlings", in dem mal nicht Jack Kerouac das Zentrum aller Aufmerksamkeit ist (Auch wenn er es natürlich verdient), sondern Lucien Carr und Allen Ginsberg.

Inhalt oder: Allen in Wonderland 
Der junge Allen Ginsberg beginnt 1944 ein Literaturstudium an der Columbia University in New York und lässt dabei seine psychisch kranke Mutter mit seinem Vater zurück. Dort lernt er den avantgardistischen Studenten Lucien Carr kennen, dessen Charme und unkonventionelle Art ihn sofort begeistern und anziehen. Sie werden zu besten Freunden, werden sogar intim miteinander und inspirieren sich gegenseitig, wobei vor allem Allen zum Schreiben inspiriert und ermutigt wird. Durch Lucien gelangt er mehr und mehr in Schriftsteller-Kreise und lernt Jack Kerouac, William S. Burroughs und David Kammerer kennen. Sie lehnen sich gegen Autoritäten auf, testen ihre Grenzen und experimentieren mit Drogen. 
David ist ein alter Jugendfreund von William und seit langem schon in Lucien verliebt. Er ist ihm nach New York gefolgt, um in seiner Nähe zu sein und eifersüchtig auf Allen, der mittlerweile Luciens volle Aufmerksamkeit bekommt. Dieser macht jedoch Schluss mit David, er streicht ihn aus seinem Leben, womit dieser sich nicht abfinden kann.
Um ihn vollends los zu sein, heuert er mit Jack Kerouac auf einem Schiff an und wird kurz vorher von David aufgehalten. Lucien bittet ihn, mit ihm spazieren zu gehen, um über alles zu reden. Die Stimmung der beiden Ex-Liebenden heizt sich jedoch auf und Lucien ersticht David und wirft ihn gefesselt in den Hudson River.
Im Gefängnis sitzend bittet er Allen eine entlastende Aussage zu schreiben und der junge Poet steht vor einer schweren Entscheidung.

(William, Allen, Lucien, Jack)

Meinung
Über den Mordfall schrieben William S. Burroughs und Jack Kerouac gemeinsam einen Roman: "And the hippos were boiled in their tanks" (Deutsch: Und die Nilpferde kochten in ihren Becken).
Ich habe diesen Roman vor einigen Jahren gelesen und glaube auch von dem Fall in anderen Werken von Kerouac gelesen zu haben. Viele Szenen wurden so umgesetzt, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Auch die Beat-Literaten wurden so dargestellt, wie ich sie mir als Personen vorgestellt hatte, wobei ich jedoch mit der Darstellung von Kerouac ein Problem hatte. Hier, im Film, war er ein untreues, überhebliches Arschloch, der vor Arroganz nur so strotzte. Kerouac war, weiß Gott, nicht mit einer weißen Weste bekleidet, was Frauen anging, jedoch glaube ich, dass er, so wie er in anderen Medien dargestellt wird, um einiges introvertierter, ruhiger und wortkarger war, als im Film. Im Zentrum seiner Freunde war er meist er der Beobachtende, der an verrückten Aktionen eher teilnahm, als dass er sie anführte.

Daniel Radcliffe  und Dane DeHaan haben ihre Rollen unfassbar gut gespielt. Ihre Gefühle schienen nahezu echt. Ich konnte ihre intensive und intime Freundschaft richtig mitfühlen. Auch optisch kamen sie nahe ans Original heran. Radcliffe spielte seine Rolle als Allen so gut, dass ich kein einziges Mal an Harry Potter denken musste. Auch wenn die Beziehung des Allen und Lucien möglicherweise fleischgewordener Traum aller Harry x Draco-Shipper ist.

Vor allem aber ist der Film auch ein Streifen fürs Auge und für die Ohren. Es gibt sehr viele ästhetische Aufnahmen und Szenen. Hintergründe verschwimmen als Bokeh, Drogentrips und Gefühle werden durch experimentelle Bearbeitung verdeutlicht und man hat das Gefühl, wirklich in den 40ern zu sein, wenn Jazz oder Swing gespielt wird aber auch wenn modernere Musik ertönt.

(William und David)


Der Film an sich thematisiert mehrere Dinge: Die Beat-Generation, Homosexualität, Moral und die Zeit der 40er Jahre in den USA. Somit ist der Film für viele Interessen und Geschmäcker geeignet und sollte nicht verpasst werden.

Bei mir ist der Film jedenfalls auf die Favoritenliste gelandet. Er konnte mich von der Handlung, von der Stimmung und der ganzen ästhetischen Aufmachung her komplett überzeugen.



(Die echten: Jack Kerouac und Lucien Carr)



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