Mittwoch, 8. März 2017

[Laberpost] Bücherei-Report



Gestern habe ich meine Karte für die Stadtbibliothek (Hamburger Öffentliche Bücherhallen) wieder für ein Jahr im voraus bezahlt. Als über 27-Jähriger Mensch, der eine Berechtigung auf eine Minderung des Preises hat, zahlte ich 20 Euro, was ich durchaus in Ordnung finde. Den verminderten Preis können Menschen in Ausbildung (Schule, Studium, FSJ, BFD) sowie Menschen in finanziell schwierigeren Lagen (Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Rente) in Anspruch nehmen. 
Das ist mit ca. 1,60 Euro im Monat ziemlich günstig und lohnt sich vor allem dann, wenn man so gut wie gar keine eigenen Medien kaufen möchte und alles, was man sucht in der Bücherhalle findet.

Im vergangenen Jahr hatte ich auch eine Karte zum Ausleihen, habe sie jedoch kaum genutzt. Ich hatte mir vor allem Literatur für die Ausbildung ausgeliehen, die ich zum Lernen oder Schreiben von Arbeiten benötigte. Romane oder gar andere Medien nahm ich gar nicht mit.

Das soll sich jetzt ändern. Was meinen Bücherbesitz angeht, so will ich minimalistischer werden. Ich möchte mir weniger Bücher kaufen, meinen Besitz "weglesen", sodass ich ihn danach aussortieren kann und Platz für andere Dinge machen. Es sollen nur noch Lieblingsbücher und solche, die mir irgendwie wichtig sind, bleiben. Viele sind es jedoch nicht, waren zwar gut, aber ich sehe keinen Sinn mehr darin, sie auf immer und ewig zu behalten. Und mal im ernst: Ein zweites Mal lese ich kein Buch. Wen will ich denn mit einem Bücherregal beeindrucken? Richtig, niemanden.

Gestern fuhr ich mit einer Schulfreundin in die Hauptzweigstelle der Bücherhalle, die in einem großen Gebäude in der hamburger Innenstadt sitzt. Vorrangig war ich da, um mir Literatur für meine Ausbildung zu suchen und bin auch teilweise fündig geworden. 
Jedoch traten schnell die ersten Ernüchterungen und Ärgernisse ein, die mich schon während der letzten Jahre ärgerten. 
  • Zum einen ist meistens das Buch, welches man am meisten benötigt, verliehen. Wobei ich mich dann frage: Warum hat eine gut sortierte Bibliothek mit 500.000 Medien nicht mehrere Exemplare solcher Werke? Im Internet habe ich mir das Buch für 2 Euro vorgemerkt und so wird es dann, wenn es abgegeben wird, in meine Filiale geschickt, wo ich es dann abholen kann. Trotzdem: Scheinbar wichtige beliebte Werke sollte man in einer so großen Stadt mehrfach zur Verfügung haben. Und das nicht nur bei Romanen. Bei einigen Büchern klappt das, bei anderen nicht. Wird das extra so gemacht, damit wir Kunden 2 Euro fürs Vormerken verplempern? 
  • Desweiteren fühlt man sich manchmal einfach erschlagen, wenn man da ist. Einige Romane sind komisch sortiert. So findet man einige Werke von Rocko Schamoni in der Jugendbücherei im Keller, andere wiederum in der gewöhnlichen Abteilung für Belletristik. Auch Romane, von denen ich nicht denken würde, dass sie für Jugendliche sind, sondern für junge Erwachsene, sind in der Jugendbücherei zu finden. 
  • Außerdem findet man natürlich nicht alles dort. Im Internet kann man zwar Buchwünsche abgeben, trotzdem sind es meist die bekannteren Bücher, die es in die Bücherhallen schaffen.
  • Was mich am meisten (negativ) überrascht hat, als ich online im Katalog stöberte: Einige Bücher, die als Reihe, wie z.B. Stephen Kings "Der dunkle Turm"-Reihe zusammen gehören, sind nicht komplett in einer Zweigstelle zu finden, sondern auf die ganze Stadt in Einzelbänden verteilt. Da muss man leider auch sagen, dass die Verlage dies nicht offensichtlich kennzeichnen als "Der dunkle Turm Band 1: Schwarz" usw., sodass die Bibliothekare mitunter vielleicht gar nicht wissen, dass es sich bei diesen Büchern um eine zusammenhängende Reihe handelt. In einigen Ausgaben sehen die einzelnen Bände auch aus wie alle anderen Thriller/Horror-Romane von King. 

Weil ich nicht alleine war und man mit Freunden im Nacken wirklich nicht so gut stöbern kann, nahm ich mir als einziges belletristisches Buch "In Plüschgewittern" von Wolfgang Herrndorf mit und studierte zu Hause eingehend den Katalog der Bücherhallen.
Ich setzte mir einiges auf die Liste und stellte fest, dass die kleine (popelige) Bücherhalle in meinem Stadtteil einige Bücher und DVDs hat, die ich lesen und gucken wollte. So fiel mein "Bücherei-Haul" der letzten beiden Tage so aus:


Hier seht ihr drei Bücher, die ich unbedingt einmal lesen wollte: 

Bov Bjerg - Auerhaus - Ein relativ aktuelles Buch. Es erschien 2015 und wird  als Jugendroman kategorisiert und bei den Jugendbüchern habe ich es auch gefunden. Es geht um eine Schüler-WG im "Auerhaus", Anfang der 80er Jahre.

Zwei Herrndorfs mussten außerdem mit.

In Plüschgewittern - ist -nach Wikipedia zu urteilen- sein erster Roman und handelt von einem Mann um die dreißig, der nach Berlin geht, dort viel erlebt und nebenbei am Leben leidet.

Bilder deiner großen Liebe: Ein unvollendeter Roman - ist, wie man dem Titel entnehmen kann, ein unvollendeter, Herrndorfs letzter Roman, an dem er schrieb, bevor er sich das Leben nahm. In diesem Roman trifft man eine alte bekannte, Isa, das Mädchen aus "Tschick", welches Maik küsste und ihm später noch Briefe schrieb.

Was die DVDs angeht, so habe ich mich für zwei Filme entschieden, die ich leider nicht bei Netflix finden konnte.


Becks letzter Sommer, da ich den Roman ja kürzlich beendet habe. Ich bin gespannt, wie der Film sein wird. Christian Ulmen kommt meiner Vorstellung von Beck jedoch nicht allzu nahe.

und Die Entdeckung der Unendlichkeit, ein Film, der die jungen Jahre von Stephen Hawking behandelt, als er studierte, Jane kennen lernte und an einer unheilbaren Nervenkrankheit erkrankte.

Meine Merkliste der Bücherhalle ist lang, deshalb werde ich hoffentlich demnächst weitere Medien präsentieren können.





Kommentare:

  1. Scahde, dass dein Büchereibesuch nicht so optimal für dich gelaufen ist. Als langjährige Bibliotheksnutzerin (aber auch als eine, die mittlerweile "hinter den Kulissen" arbeitet), habe ich mit den von dir angesprochenen Sachen kein großes Problem. Bibliotheken haben halt in der Regel einen notorischen Geld- und Platzmangel, was sowohl die vorhandene Auswahl als auch die Möglichkeiten, von manchen Büchern viele Exemplare anzubieten, einschränkt. Ich denke, dass man da Bibliotheken auch nicht zu sehr als Buchhandlungs-Ersatz betrachten darf. In erster Linie sind sie dazu da, allen einen günstigen Zugang zu Büchern/dem Lesen ganz allgemein zu bieten. Möglichst jedem Zugang zu dem speziellen Buch, das er gerade möchtet, zu bieten, können dagegen praktisch nur Präsenzbibliotheken schaffen.
    2 Euro fürs Vormerken ist allerdings ziemlich happig, da überlegt man es sich schon mehrmals.

    Eine gute Strategie ist, wie du selbst schon gemerkt hast, eher in den kleineren Zweigstellen zu stöbern. Ich kenne das selbst nur zu gut aus Wien: In der Hauptbücherei kommt man an die beliebten Bücher nur schwer ran, während man in den Zweigstellen sehr gute Chancen darauf hat.

    Unbekanntere Werke haben es leider oft recht schwer, umso mehr, wenn sie nicht erst vor kurzem angekauft wurden. Üblicherweise werden in Bibliotheken in bestimmten Abständen "Nulllisten" durchgesehen - also alle Bücher, die in den letzten ein oder zwei Jahren kein einziges Mal entlehnt wurden. Und viele von denen werden dann aussortiert, um Platz für die Neuzugänge zu schaffen. Das finde ich immer sehr schade, aber etwas anderes bleibt Bibliotheken halt auch nicht übrig.

    Ich habe mich, wie gesagt, an diesen Einschänkungen nie großartig gestört. Auf der anderen Seite bekommt man halt - abgsehen vom sehr günstigen Zugang zu einer Unmenge Lesestoff - oft auch Bücher in der Bibliothek, die schon nicht mehr verlegt werden. Das finde ich schon sehr praktisch.
    Die Sache mit den unvollständigen Reihen in einzelnen Zweigstellen würde mich allerdings auch sehr nerven! Das würde ich dort auch durchaus mal ansprechen (oder per Mail anmerken). Sowas sollte einfach nicht sein.

    "Auerhaus" habe ich voriges Jahr gelesen. Es war für mich kein Highlight, hat mir aber ganz gut gefallen. Ich bin gespannt, was du dazu sagen wirst!

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    1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich finde es sehr interessant von jemandem zu lesen, der sich hinter den Kulissen auskennt. Gibt es bei dir einen Blogpost zum Thema Bücherei? Oder hast du einen geplant? Ich würde ihn jedenfalls mit Interesse lesen! :)

      An sich bin ich relativ zufrieden, was die Auswahl der Medien in den Hamburger Büchereien angeht. Was pädagogische Fachliteratur angeht, eher weniger. Ich habe jedoch auch Zugang zur Unibibliothek, jedoch ist diese (noch) ein Buch mit sieben Siegeln, da ich Nicht-Studentin bin und somit, im Gegensatz zu StudentInnen, keine Einführung in die Bibliotheksnutzung erfahren habe. Hier in Hamburg ist diese recht kompliziert und man hat zu vielem keinen Zugang, kann nicht blättern und stöbern, sondern muss es bestellen und abholen. Damit werde ich mich jedoch bald auseinander setzen (müssen). :)

      Auerhaus wird auf jeden Fall rezensiert. Ich freue mich schon über den Austausch darüber. :)

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    2. Hm, vielleicht schreibe ich mal so einen Blogpost. An sich schrecke ich vor solchen Themen gern mal zurück, da ich meinen Blog einfach von meinem Beruf getrennt halten möchte.

      Für spezielle Fachliteratur wird man wirklich meist die Unibibliothek brauchen. Bei denen ist es halt eher üblich, dass es sich um Magazinsbibliotheken handelt und man die Bücher bestellen muss. Daher ist der wichtigste erste Schritt, mal das Recherchieren über den Bibliothekskatalog intensiv auszuprobieren. Da die Online-Kataloge inzwischen deutlich nutzerfreundlicher und von der Art her eher wie Suchmaschinen ausgerichtet sind, kommt man nach einer ersten Eingewöhnung meist auch schnell rein.
      Oft gibt es auch Einführungen, für die sich alle Interessierten anmelden können. Schau mal, in Hamburg gibt es auch solche: http://www.sub.uni-hamburg.de/service/fuehrungen/allgemeine-fuehrungen.html
      (die nächste ist Anfang April)
      Ich hatte übrigens als Studentin nie eine Einführung - das lief für mich vor allem nach dem Prinzip "trial and error" (mit großem Anteil error). ;-)
      Viel Erfolg!

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    3. Das kann ich natürlich verstehen. :)

      Ich werde mich auf jeden Fall einfuchsen. Vielen Dank auch für den Link! Das wusste ich gar nicht. Damals, als ich in einer anderen Stadt studierte, wurden wir in unsere Bibliothek in der Einführungswoche eingeführt.
      Den Online-Katalog habe ich schon ein wenig erkundet. Ich muss mich nur noch schlau machen, wo ich bestellte Bücher abholen muss. :)

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