Samstag, 15. April 2017

[Rezension] Wolfgang Herrndorf - Bilder deiner großen Liebe


Mein dritter "Herrndorf" ist sein letzter Roman, den er aufgrund seiner Krebserkrankung und seines darauf folgenden Selbstmordes nicht vollenden konnte. Ich hatte mir einen ganz besonderen Roman vorgestellt, jedoch traf er leider nicht so sehr meinen Geschmack.

Inhalt
"Ein Mädchen steht im Hof einer Anstalt. Das Tor geht auf, das Mädchen huscht hinaus und beginnt seine Reise, durch Wälder, Felder, Dörfer und an der Autobahn entlang: «Die Sterne wandern, und ich wandre auch.» Isa heißt sie, und Isa wird den Menschen begegnen – freundlichen wie rätselhaften, schlechten wie traurigen. Einem Binnenschiffer, der vielleicht ein Bankräuber ist, einem merkwürdigen Schriftsteller, einem toten Förster, einem Fernfahrer auf Abwegen. Und auf einer Müllhalde trifft sie zwei Vierzehnjährige, einer davon, der schüchterne Blonde, gefällt ihr." (rowohlt)


Meine Meinung
Isa ist ein psychisch krankes Mädchen. Das wird einem nicht nur klar, da sie aus einer psychiatrischen Anstalt ausbricht, sondern auch durch ihre Gedanken, die sie dem Leser permanent mitteilt. Isa erzählt von sich, aber viel mehr erzählt sie von den Menschen, denen sie begegnet. Einige Männer begegnen ihr unsittlich, wollen sie berühren oder onanieren, während sie dabei ist. Dabei ist sie noch minderjährig und keine Erwachsene Frau. Auch Isa scheint zu erwarten oder denken, dass sie allen Männern gefallen muss. Sexuelle Handlungen nimmt sie in Kauf, scheinen nichts intimes für sie. Warum war sie in psychiatrischer Behandlung? Hat sie selbst einmal Missbrauch erfahren, der sie so abstumpfen ließ und ihre Grenzen niederriss? Was von dem, was sie erzählt, ist wahr? Isa widerspricht sich innerhalb des Romans, sie revidiert Aussagen, ohne sich dessen Bewusst zu sein. Sie begegnet Menschen und erlebt Situationen, von denen man das Gefühl hat, dass sie nicht echt sind. Haben alle Gespräche mit den fremden Menschen so statt gefunden oder fanden diese Geschichten nur in ihrem wirren Kopf statt?

All dies werden wir leider nie erfahren. Wolfgang Herrndorf hinterließ diesen unvollendeten Roman ohne Erklärungen. Leider bin ich oftmals nicht durchgestiegen. Ich habe leider auch keine Message heraus lesen können oder irgend etwas, was mich berührte. Auch, wenn es Herrndorfs "Abschiedswerk" ist, kann ich diesem Buch leider nicht mehr als 3 von 5 Sternen geben.



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