Sonntag, 2. April 2017

[Serienrezension] Breaking Bad (Spoiler)


Zugegebenermaßen ist Breaking Bad schon etwas älter und ich bin wohl einer der wenigen Menschen auf diesem Planeten, der diese Serie erst jetzt gesehen hat. Aber das ist nicht so schlimm. Diese Serie hat mich so in ihren Bann gezogen, so begeistert und mitgerissen, dass ich einfach über sie schreiben muss.

Inhalt
Der 50-jährige Chemielehrer Walter White bekommt die Diagnose Lungenkrebs. Um seiner Familie für den Fall der Fälle Geld zu hinterlassen und seine Krebstherapie zu bezahlen, nötigt er seinen ehemaligen Schüler Jesse Pinkman dazu, mit ihm gemeinsame Sache zu machen und Methamphetamin herzustellen und zu verkaufen. Walter will dabei die Rolle des Meth-Produzenten übernehmen, wobei Jesse das Produkt auf der Straße verkaufen soll. Walters Produkt ist von bester Qualität und nicht nur Jesse ist begeistert davon. Die beiden steigen ins Drogengeschäft ein und verzwicken sich immer mehr in moralisch fragwürdige Situationen...



Meinung
Zu allererst muss ich sagen, dass ich wirklich eine schwierige Serienguckerin bin. Ich finde die meisten albern, unauthentisch, voller Klischees, schlecht umgesetzt oder langweilig. 
Von Breaking Bad wusste ich aber schon seit Jahren, dass diese Serie anders sein sollte. Viele waren begeistert. Da ich erst seit kurzem bei Netflix angemeldet bin, kam ich auch erst Anfang dieses Jahres in den Genuss. Die Serie ist wirklich unglaublich gut und die beste, die ich bisher gesehen habe. Danach kommt nichts besseres, denke ich. Ich bin in einer richtigen "After Breaking Bad"-Depression.

Ich hatte durchweg das Gefühl, dass die SchauspielerInnen mit Herzblut bei der Sache sind. Alle spielen ihre Rollen unheimlich gut. Dabei sind vor allem die Protagonisten Walter White (Bryan Cranston) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) zu nennen, die jede Emotion und Situation glaubwürdig transportieren und spielen können. 

Es gibt viele Aufnahmen, die draußen spielen. Die Schauspieler sind also nicht durchgehend eingepfercht in Studios, in die kein Tageslicht kommt. Solche Sets sind mir immer sehr wichtig und geben der Serie mehr Authentizität. Es wirkt alles sehr real und nicht wie auf einer Bühne.

In der Serie gibt es sehr viele spannende Momente, die manchmal so spannend sind, dass ich sie kaum aushalten konnte. Solche Momente, in denen man gerne rufen würde: "Nein, pass doch auf!" Ich war als Zuschauerin wirklich mittendrin, statt nur dabei.

Die tiefere Ebene (Spoiler)
"Breaking Bad" heißt ins Deutsche übersetzt so viel wie "vom rechten Wege abkommen" und in der Serie ist vor allem zu sehen, wie Walter vom rechten Wege abkommt und immer mehr in die kriminelle und moralisch verwerfliche Schiene hinein schlittert.

Zu Beginn lernt man Walter als biederen, gar langweiligen Chemie-Lehrer kennen, der mit seiner schwangeren Frau und seinem jugendlichen Sohn in einem Bungalow in Albuquerque wohnt. Seine Kleidung ist unscheinbar und sein Auto sieht aus wie das eines Rentners. Walter führt ein durch und durch ruhiges, eintöniges Leben. 
Mit seiner Krebsdiagnose und dem Einstieg ins kriminelle Milieu ändert sich nicht nur sein Leben, da er beginnt ein Doppelleben zu führen, sondern auch sein Charakter. Walter wird mehr und mehr Teil der "dunklen Seite" des Lebens, er entwickelt ein Alter Ego namens "Heisenberg" mittels dessen er agiert und handelt zunehmend egoistischer und kaltblütiger.

Die Serie wirft viele Fragen moralischer Natur auf, vor allem, da es in einem Land wie den USA keine richtigen Krankenversicherungen gibt, die die Kosten wichtiger Behandlungen komplett übernehmen. Viele Handlungen Walters sind zu Beginn nachvollziehbar, auch wenn man sich denkt, dass er doch ab jetzt bitte aufhören solle, da er  sonst immer mehr im Schlamassel steckt. Jedoch hört er nicht auf, auch nicht, als er einen Haufen Geld angesammelt hat und man ahnt bald, warum. Walter differenziert sich als komplexer Charakter heraus, dem es nicht mehr nur darum geht, seine Therapie und seine Familie finanziell abzusichern, sondern es geht ihm auch um den Ausbruch aus seinem biederen Leben und darum, etwas großes zu erschaffen. Dieser Wunsch entstand wahrscheinlich deshalb, weil er einst mit Freunden aus der Studienzeit eine Firma gründete aber dann ausstieg. Seine Freunde wurden reich mit der Firma und er fühlte sich betrogen und vielleicht minderwertig, weil er, im Gegensatz zu ihnen, "nur" als Chemie-Lehrer endete, der auch noch nebenbei in einer Autowaschanlage mitarbeitete, um das Haushaltseinkommen aufzustocken. Schon bevor er sagt, dass ihn das Drogengeschäft "lebendig fühlen" lässt, hat man die Ahnung, dass er sich mitunter aus diesem Grund so schlecht aus diesem Geschäft entwurzeln lässt. 

Jesse war zu Beginn der Serie, im Gegensatz zu Walter, der Bad Boy, welcher sein Leben nicht so richtig in Griff hatte und mit einem Bein in der Drogenszene drinnen steckte. Walter hingegen war, eigentlich, ein Saubermann, der nur anfing Drogen herzustellen, um seine Familie abzusichern. Im Laufe der Serie scheinen die beiden die Rollen zu tauschen. Jesse entwickelt sich immer mehr zum guten Gewissen des Duos und Walter nimmt immer mehr Leid für seine Ziele in Kauf und hinterlässt überall nur Schutt und Asche. Dabei leiden nicht nur andere Kriminelle und Unschuldige darunter, sondern vor allem auch seine Familie. 

Als Zuschauer steht man vor allem vor der schwierigen Entscheidung, ob man für oder gegen Walter ist. Man lernt Walter vor seiner Drogenkarriere kennen, er könnte der eigene Vater sein und man leidet mit ihm mit, als er erfährt, dass er schwer krank ist. Seine Entscheidung, ins Drogengeschäft einzusteigen ist unter den Voraussetzungen nachvollziehbar. Doch sein anderes Gesicht, der Heisenberg, zu dem er mehr und mehr wird, ist ein furchtbarer Charakter, der alles und jeden um sich herum manipuliert, um ein Imperium aufzubauen. Bis zum Schluss wusste ich nicht, auf welcher Seite ich stehe. Irgendwie hatte ich immer gehofft, dass sein Schwager nichts davon erfährt, dass Walter aus der Sache heil heraus geht. Andererseits war mir aber klar, dass es so enden musste, wie es endete. All die Verbrechen, die Walter begonnen hatte, konnten nur damit vergolten werden, dass er am Ende selber stirbt. Durch seine eigenen Mittel oder seine Krankheit. Denn so würde sich der Kreis schließen und ein rundes Ganzes ergeben. 


Kommentare:

  1. Ich habe Breaking Bad immer noch nicht gesehen - also immerhin bist du früher dran als ich. ;-)
    Obwohl ich immer nur gutes über die Serie höre, spricht mich der Inhalt so überhaupt nicht an (Drogengeschäft ist ein Thema, das mich einfach gar nicht reizt). Aber vielleicht sollte ich mich mal überwinden und es einfach probieren.

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    1. Ich würde sagen: Erstmal die ersten 3 Episoden ausprobieren. :) Vielleicht findest du ja Gefallen daran. Das Gute an der Serie ist eben, dass nichts einseitig beleuchtet ist. Das Drogengeschäft wird nicht verharmlost aber auch nicht verteufelt. Viele, die in der Serie mit drinnen stecken, haben nachvollziehbare Gründe, die das Urteilen über Richtig und Falsch schwierig machen. Das ist meiner Meinung nach das, was der Serie richtig gut gelungen ist. :)

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  2. Hi Erina :D

    Ich habe Breaking Bad echt noch nie gesehen! Aber ich sollte es echt mal ausprobieren, es schwärmen ja echt viele davon!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Ja, ich habe mich auch von all den positiven Meinungen überzeugen lassen ;D

      Liebe Grüße!

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