Samstag, 13. Mai 2017

Der Friedhof der abgebrochenen Bücher. Teil 4: Bettina Vibhuti Uzler - Party am Abgrund


Vor einigen Jahren habe ich bereits autobiographische Bücher von Christiane F. oder Jörg Böckem zum Thema Drogen und Sucht gelesen und fühlte mich sehr gut unterhalten. Das Eintauchen in eine solche Welt hat mir damals sehr gut gefallen, ich wollte die Beweggründe verstehen, warum Menschen sich so kaputt machen. Hier jedoch war ich einfach nur genervt und hatte keinerlei Verständnis.

Bettina Vibhuti Uzler wandert gleich zu Beginn des Buches ins Pariser Gefängnis, weil sie in Kolumbien dazu überredet wurde, Kokain nach Europa zu schmuggeln. Überredet wurde sie von Mafia-Typen, die mit ihrem Lover zu tun hatten. Für diesen hätte sie alles getan, obwohl er sich kaum für sie interessierte.
Einige Jahre später, so erzählt sie, schließt sie sich der Freetekno-Bewegung an und investiert Herzblut, Zeit und Geld darin, wobei immer irgendwelche Männer eine große Rolle spielen. Sie scheint völlig manipulierbar, fügt sich dem Willen ihrer anstrengenden Liebschaften und gerät dabei in komplizierte Situationen.
Und das war der Grund, weshalb ich das Buch nach etwa der Hälfte abbrechen musste. 
Ich denke, dass die Autorin heutzutage ihr Handeln und sich Manipulierenlassen kritisch hinterfragt, wegen dieses Verhaltens jedoch konnte ich mich so wenig mit ihr identifizieren, dass das Lesen keinen Spaß machte. Ich musste mich zu sehr ärgern. Mitunter wohl aus emanzipatorischer Sicht. 
Auch, dass sie zu jenem Zeitpunkt ihren Konsum nicht hinterfragte, keine Zweifel zeigte und sich alles reinhaute, was ihr in die Quere kam, stoß mich etwas ab. Ist es nicht normal, dass man, bevor man sich Pferdebetäubungsmittel (Ketamin) reinzieht, Angst hat? Aufgeregt ist? Zweifel hat? Das hatte die "Protagonistin" gar nicht und ein so unvernünftiges und unreflektiertes Verhalten fand ich schwierig zu lesen und als Leserin zu begleiten. 

Pluspunkte bekommt Vibhuti Uzler jedoch für Ihren Stil. Sie hat einen wirklich schönen Stil und ihre Trips hat sie stets malerisch beschrieben, ohne auszuufern. Ich würde durchaus Romane von ihr lesen, die sich nicht um ihre eigenen Drogenerfahrungen drehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen