Sonntag, 28. Mai 2017

[Rezension] Truman Capote - Kaltblütig


Truman Capote gehört zu den großen US-amerikanischen Autoren der Postmoderne. Um mein Allgemeinwissen um bekannte Autoren zu vergrößern, griff ich diesmal zu Capote, einem Autor, von dem ich bisher noch nichts gelesen hatte und der vor allem für seinen Roman "Frühstück bei Tiffany" bekannt ist. Da meine Mutter vor kurzem "Kaltblütig" gelesen hatte, sah ich es als meine Chance, Capote durch dieses Werk kennen zu lernen.

Inhalt
Basierend auf einer wahren Begebenheit wird 1959 die Familie Clutter auf ihrer Farm in Kansas, durch zwei junge Männer, Perry Edward Smith und Richard Eugene Hickock, kaltblütig ermordet.
Der Leser erfährt, wie es zu der Tat kam, welche Vorgeschichte die beiden Mörder haben und wie ihre Geschichte ausgeht.

Meine Meinung
Capote hat mit diesem Buch einen sehr gut recherchierten Tatsachenroman erschaffen, der fesselt und aus verschiedenen Perspektiven heraus berührt. Die Geschichte der beiden Mörder Perry und Richard (genannt: Dick) wird dem Leser näher gebracht. Vor allem erfahren wir viel über Perry, der ein komplett verhunztes Leben leben musste, sodass ich manchmal nicht umhin konnte, als mit ihm mitzufühlen. 
Das Buch zeigt auf, was das Leben aus Menschen machen, was eine schwere Kindheit für Auswirkungen haben kann. Gegen Ende des Romans, als Dick und Perry verhaftet werden, wird man mit dem amerikanischen Rechtssystem konfrontiert und zum Nachdenken über die Frage angeregt, ob die Todesstrafe gut oder schlecht ist und inwieweit und wann ein Straftäter überhaupt schuldfähig ist. Während man darüber nachdenkt, gerät man in sämtliche moralische Konflikte und das ist es wohl, was Capote aufzeigen wollte. Im Großen und Ganzen habe ich das Buch jedoch als Plädoyer gegen die Todesstrafe verstanden.

Truman Capote reiste selber mit einer guten Freundin (und Autorin) Harper Lee im Auftrag des New Yorker zum Tatort sowie zu Tätern um zu recherchieren. Capote sagte von sich selbst, dass er die Belletristik wie eine Sackgasse empfand und sich daher mit einem realistischen Fall befassen und ihn literarisch umsetzen wollte. Die intimen Beziehungen, die er zu den Tätern aufbaute, brachte ihn aber in ein moralisches Dilemma, denn er wusste, dass die beiden am Galgen sterben sollten und für seinen literarischen Erfolg auch mussten. An diesem emotionalen Hin und Her hatte Capote noch lange zu knabbern. 

Verfilmt wurde Capotes Reise nach Kansas im Jahre 2005 unter dem Titel "Capote" mit Philip Seymor Hofman in der Hauptrolle.

4 von 5 Sternen 



Kommentare:

  1. Guten Morgen Erina,

    eine sehr schön geschriebene Rezension! Du hast mich damit wirklich neugierig gemacht und ich werde "Kaltblütig" schon mal auf die Wunschliste packen :)

    Liebe Grüße & ein schönes, verlängertes Wochenende,
    Corina

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    1. Vielen Dank!
      Ohja, ich kann das Buch nur empfehlen. Es war wirklich sehr interessant! :)

      Liebe Grüße zurück!

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  2. Das klingt sehr gut und bestätigt mich darin, dass ich das Buch endlich mal lesen sollte. Bislang kenne ich nur den Film "Capote", der mir sehr gut gefallen hat (und den ich auch wärmstens weiterempfehlen kann).

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    1. Ohja, lohnt sich wirklich! Im Gegenzug werde ich mir den Film "Capote" anschauen! :)

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