Donnerstag, 27. Juli 2017

Der Friedhof der abgebrochenen Bücher. Teil 5: Vladimir Nabokov - Lolita


Im Roman Lolita geht es um den pädophilen Humbert Humbert, der sich in seine 12-jährige Stieftochter verliebt und mit ihr eine Affäre beginnt. 

Wie man lesen kann, ist dies nicht unbedingt ein Stoff, der leicht verdaulich ist. Natürlicherweise ist er tabuisiert und für einen "normalen" Menschen schwer nachzuvollziehen. Andererseits gehört Lolita aber auch zu den Klassikern der Weltliteratur, er ist somit ein Roman, den man als "Bildungsbürger" mal gelesen haben sollte. Oder?
Dass pädophile Neigungen für Nicht-Pädophile schwer nachzuvollziehen sind, macht wohl einerseits den Reiz aus, dieses Buch zu lesen. Außerdem ist man als lesender Mensch grundsätzlich neugierig und voyeuristisch veranlagt, was einen auch dazu verleitet, ein Buch mit einem solch "verbotenen" Thema zu lesen.

Liest man andere Besprechungen, Rezensionen oder gar Interpretationen zu dem Buch, wird von anderen Ebenen und Dingen zwischen den Zeilen gesprochen, die sich grob um Jugend, Obsession und den Charakter der Protagonisten drehen. Solche Dinge konnte ich eher weniger finden. Ich möchte Nabokov nicht nachsagen, dass er einen Roman um eine pädophile Beziehung nur deshalb schrieb, um Aufmerksamkeit zu bekommen, jedoch fand ich es schwierig, interpretative Ansätze in dem Roman zu finden, außer jenen, die eben offensichtlich sind und in Verbindung mit der Beziehung zwischen einem abhängigen Kind und einem skrupellosen Erwachsenen stehen. 

Nabokovs Sprache ist umwerfend und es gelingt ihm auch sehr gut, Humbert als widerlichen und trotzdem charismatischen Typen darzustellen. Der spöttische Unterton Humberts ist trotz all seiner Abartigkeit amüsant. Ich habe wirklich lange kein Buch mehr gelesen, das mich sprachlich so beeindruckt hat.

Trotzdem konnte ich mich mit dem Roman nicht wirklich anfreunden. Ich habe es größtenteils geschafft, das Buch mit einer emotionalen Distanz zu lesen, sodass mir der erste beschriebene Akt zwischen Lolita und Humbert nicht allzu nahe ging. Im Verlauf der Geschichte wurden mir aber mehrere Ebenen zwischen dem Kind Lolita und dem erwachsenen Humbert deutlich, die mir unangenehm waren: Die Lügen, die Abhängigkeit, die Spiele, die Humbert mit Lolita spielt und wie er sie einengt... Das wurde mir teilweise doch etwas zu viel und der Roadtrip, den die beiden quer durch Amerika machten, war auch recht langweilig. Nabokov hat all dies zwar meisterhaft umgesetzt, aber vorerst musste ich das Buch nach ca. 2/3 abbrechen. Vielleicht werde ich es irgendwann einmal weiterlesen. 

Für andere Romane von Nabokov bin ich auf jeden Fall sehr offen!


1 Kommentar:

  1. Hey :)

    Ich gebe zu, ich habe mich noch nie an dieses Buch gewagt. Daher Hut ab, dass du es getan hast! Wobei ich mich immer noch frage, warum dieses Buch den Stempel "Klassiker" bekommen hat. Weil es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung skandalös war? Manchmal muss ich ja grinsen, wenn ich überlege, dass die erotischen Romane mittlerweile ganz offen in der Buchhandlung verkauft werden - da hat sich schon viel verändert in den letzten Jahrzehnten :D.

    Liebe Grüße
    Ascari

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